Eine Preisverleihung, die vielen Freude macht.

30.06.2013, Peter Žaloudek

 

Am 20. Juni 2013 wurde dem slowakischen Priester P. Anton Srholec der diesjährige Preis der Ján-Langoš-Stifftung verliehen.  Er ist  Präsident der Konföderation der politischen Gefangenen der Slowakei, die ganz im Sinne von Jan Langoš, dem ehemaligen Dissidenten und späteren Außenminister der Tschechoslowakei nach der samtenen Revolution, Licht in die totalitäre Zeit von 1948 bis 1989 bringen und den Opfern Rechtfertigung und Genugtuung verschaffen will. Die Stiftung ehrt Personen, die sich für die Verbreitung der Demokratie einsetzen.

 

Nun zur Person des Geehrten: Pater Anton Srholec wurde  1929 als Kind einfacher Bauern geboren. Schon im Jahr 1946 schloss er sich der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos an. Da aber im Jahr 1950 von den Kommunisten alle Ordensgemeinschaften aufgelöst wurden, sah er für sich keine Zukunft mehr in diesem Lande und so versuchte er mit anderen Gleichgesinnten, in den Westen zu fliehen, wurde aber bei der Überquerung der March abgefangen und anschließend zu 12 Jahren Haft verurteilt, die er zum Großteil in den berüchtigten Uranminen von Jáchymov verbringen musste. Nach der Entlassung „gestattete“ man ihm, als einfacher Arbeiter für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Während des Prager Frühlings durfte er nach Italien ausreisen und wurde nach Abschluss der Studien als Salesianer von Papst Paul VI. in Rom 1970 höchstpersönlich zum Priester geweiht. Damit hat die Kirche wohl auch ein Zeichen gesetzt im Hinblick auf alle Priester und Ordensleute, die unter den kommunistischen Schikanen gelitten hatten, und so ihre Dankbarkeit für deren Glaubenszeugnis zum Ausdruck gebracht.

 

Inzwischen – 1968 - hatten die Truppen des Warschauer Paktes dem Prager Frühling gewaltsam ein Ende gesetzt. Als P. Anton nach der Priesterweihe in die Heimat zurückkehrte, wurde er wiederum als persona non grata angesehen. Er durfte nicht als Priester wirken, aber man gestattete ihm, als Mesner an einer größeren Kirche tätig zu sein. Als solcher hat er im Hintergrund den Anstoß zu manchen kirchlichen Initiativen gegeben, die den Kommunisten stets ein Dorn im Auge waren. Besonders am Herzen lag ihm das Gespräch mit der jungen Generation. Als es ihm nach einigen Jahren erlaubt wurde zu predigen, hat er sein Wort vor allem an die Jugend gerichtet. Er war ein charismatischer Verkünder des Evangeliums und wirkte auf sie glaubwürdig und überzeugend.

 

Nach dem Zerfall des Kommunismus gehörte P. Anton zu jenen, die sich für eine Aufarbeitung der gerade zu Ende gegangenen leidvollen Vergangenheit auch in den Reihen der Kirche eingesetzt haben. Statt dessen aber gewann er den Eindruck, dass gerade jene fallen gelassen wurden, die die Sache Jesu und der Kirche hochgehalten hatten, während zum Teil jene zu Amt und würden erhoben wurden, deren Vergangenheit ihm mehr als fragwürdig erschien. So wagte er es, konkret Ján Sokol, den damals frisch ernannten Bischof von Trnava in Frage zu stellen und zum Rücktritt aufzufordern. Auf dessen Druck hin  musste er weichen und sich den Weisungen seines Provinzials fügen.

 

Seit 1992 engagiert sich P. Anton für das Sozialprojekt Resoty in Bratislava. Es bietet 60 Obdachlosen Platz und gewährt weiteren 40 Unterstützung.

 

Pater Anton ist eine Priestergestalt mit Autorität weit über die Grenzen der Kirche hinaus, und das wurde auch deutlich durch die vielen Auszeichnungen die er erhalten hat und besonders, dass er zum Präsidenten der Konföderation der politischen Gefangenen in der Slowakei gewählt wurde.

 

Es sollte der Amtskirche in der Slowakei zu denken geben, dass Menschen unterschiedlicher Überzeugung durchaus bereit sind, einem Priester einen heiklen Posten anzuvertrauen, da dieser in der Vergangenheit geradlinig und ohne Winkelzüge seinen Weg gegangen ist, und dafür auch die leidvollen Konsequenzen getragen hat. Vielen von ihnen fehlt es gerade an dieser Glaubwürdigkeit.

 

Es freut mich, dass P. Anton die Reformen des 2. Vatikanums einfordert und auch die Reformen von Helmut Schüller unterstützt. Eine Freude war es auch, dass Robert Bezák , der abgesetzte Bischof von Trnava , die Laudatio bei diesem Festakt gehalten hat, denn auch er steht für eine Kirche der Offenheit und Geschwisterlichkeit. Traurig nur, dass kein slowakischer Amtsbischof oder Amtspriester bei dieser Verleihung teilgenommen hat...

                                                                                          

                                                                                                     Peter Zaloudek, Wien, 30.6.2013

 

 

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