Die katholische Bischofskonferenz von Indien ist die einzige der Weltkirche, die eine offizielle Strategie in der Frauenfrage hat, eine „gender policy“, um es mit dem englischen Fachausdruck zu sagen.

Dieses Dokument, erschienen 2010, wurde von Frauen erarbeitet. Eine von ihnen, Astrid Lobo Gajiwala, war vergangene Woche im Vatikan zu Gast. Sie ist Katholikin, Naturwissenschaftlerin und dreifache Mutter. „Das Erstaunliche war, dass die [indischen] Bischöfe Frauen dazu einluden, diesen Entwurf zu schreiben. Und sie übernahmen das dann weitestgehend! Heute ist es ein Dokument der Indischen Bischofskonferenz, das aber im Grundsatz Frauen entworfen haben. Ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man in der Kirche partnerschaftlich arbeiten kann. … Vieles davon ist auf arme und unterprivilegierten Frauen zugeschnitten: Da geht es um Bildung, aber auch um Gewalt gegen Frauen. Überdies gibt es einen Abschnitt über Frauen in der Kirche. Den finde ich besonders wichtig, weil die Kirche in Indien sehr viel für Frauen draußen in der Gesellschaft getan hat, so im Bereich Gesundheit, Entwicklung und Alphabetisierung. Wenn es aber um Frauen nicht außerhalb, sondern in der Kirche geht, wird es herausfordernd. Es ist gut, dass das Teil des Dokuments ist!“ Die Sprache des indischen Frauen-Dokuments ist „ziemlich neu“: „Es spricht von einer Jüngerschaft von Gleichen. Von einer kollaborativen Kirche mit Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Es spricht von Strukturen, die diese Gleichheit zwischen den Geschlechtern ermöglichen sollen. … Das waren neue Gebiete, wo die Bischöfe sahen, das ist ein Anliegen; und sie waren überzeugt, dass sie sich in dieser Sache engagieren sollten. Sie sind auf die Diskriminierung von Frauen eingegangen und haben sehr klar gesagt, das ist eine Sünde, klar gegen Gottes Absicht. Etwas muss geschehen, um das zu beenden, nicht bloß draußen in der Gesellschaft, sondern auch in der Kirche selbst! Und das war, denke ich, eine ziemliche weitreichende Beobachtung.“ Doch die Kirche hat sich bemüht, die Stellung der Frau auch innerhalb der Kirche zu verbessern, hält der Erzbischof der indischen Hauptstadt-Diözese Neu Delhi, Anil Couto, fest: Nochmals Astrid Lobo: „Ich bin stolz darauf, dass unsere indischen Bischöfe eine Frauenstrategie haben, denn die hat sonst keine Bischofskonferenz in der Weltkirche. Vielleicht kann das ein Vorbild sein für andere Länder – und vielleicht sogar für den Vatikan selbst!“ (http://de.radiovaticana.va v. 16. 3.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López Romero, zieht eine positive Bilanz der Papst-Visite. „Bis jetzt wurde viel von Koexistenz und Toleranz gesprochen, aber der König sagte im Beisein des Papstes, dass Toleranz eigentlich wenig sei. Das bedeutet, dass wir nun zur Freundschaft, zum gegenseitigen Kennenlernen, zur gegenseitigen Bereicherung und zur Zusammenarbeit übergehen können [...] Wir müssen dazu einen qualitativen Sprung im islamisch-christlichen Dialog machen. […] Das ist schon jetzt im Moment ein gemeinsamer Weg. Wir arbeiten für Bildung, für die öffentliche Gesundheit, für die Förderung von Frauen zusammen, Muslime und Christen, und das muss so bleiben. Aber Barmherzigkeit ist kein Selbstzweck: Sie ist der Weg, um als Brüder und Schwestern zu leben.“ Hinderlich auf dem gemeinsamen Weg sei der Verdacht von Muslimen, dass Christen „Proselytismus“ betreiben würden. Der Papst hat das Thema bei einem Treffen mit Priestern und Ordensleuten angesprochen. Erzbischof López erklärt, es gebe leider „Christen, die es nicht verstehen, dass die Kirche keinen Proselytismus betreiben will. […] Schon Benedikt XVI. sagte: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehungskraft, durch Zeugnis. Deshalb geht es uns als Kirche hier in Marokko gut: genau weil Proselytismus verboten ist. […] Ich glaube, dass Marokko eines Tages feststellen wird, dass die Christen, zumindest wir Katholiken, dieses Ziel des Proselytismus nicht haben“, stellt López fest. (vn v. 1. 4.)

     

  • Der Marseiller Erzbischof und Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, hat zum Kampf gegen Hochmut und Machtstreben unter Priestern aufgerufen. „Papst Franziskus hat Klerikalismus in all seinen Formen als Ausdruck und Hauptursache von Störungen im Leben christlicher Gemeinschaften genannt", sagte er zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Lourdes. Zu der Missbrauchsproblematik zitiert die Zeitung "La Croix" den Bischof von Grenoble, Guy de Kerimel: „Dem gesamten Episkopat ist bewusst, dass wir eine besonders schwere Krise durchmachen.“ Die Kirche werde nicht mehr wie vorher sein. Mehrere Bischöfe sprechen laut Angaben des Blattes von einem „Reinigungsprozess". (kathpress u. KNA u. vn v. 2. 4.)

     

  • Dass Jerusalem zum „Inbegriff des Friedens“ wird, wünschen sich die Patriarchen und Bischöfe der Heiligen Stadt in ihrer gemeinsamen Osterbotschaft. Der „multireligiöse und multikulturelle Status“ Jerusalems müsse erhalten werden, damit alle abrahamitischen Glaubensbekenntnisse die Stadt als Inbegriff des Friedens und der Ruhe erfahren können. Die Patriarchen und Bischöfe versprechen, „für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Jerusalem und in der ganzen Welt“ zu beten, vor allem in Regionen, die von Gewalt und Angst gegen schuldlose Menschen und Gottesdienststätten geprägt sind. Dass die menschliche Würde respektiert und geehrt werden muss, zeige sich besonders an Ostern. Die Menschen seien nach Gottes Bild geschaffen und darum gleich an Würde. (vn v. 17. 4.)

     

Artikelempfehlungen

„Frauen haben der Gesellschaft viel zu erzählen“. Sie sähen die Dinge oft mit anderen Augen und stellten Fragen, die...
In einer Kirche zu Mittag essen – darf man das? Diese Frage kam nach dem Papstbesuch in Bologna am 1. Oktober auf. Dort...
Verhütung sei „nichts absolut Böses“ und sei in einigen Fällen sogar einleuchtend, sagte er auf dem Rückflug von Mexiko...