Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Papst Franziskus hat Kirche in Bangladesch zur Friedensarbeit gemeinsam mit anderen Religionen ermutigt. Die Bischöfe sollten unablässig das Gespräch und den Kontakt mit anderen Religionsgemeinschaft suchen und mittels Bildungsarbeit zur interreligiösen Verständigung beitragen, sagte der Papst in einer Rede am Sitz des Erzbischofs von Dhaka. „Bemüht euch unablässig, Brücken zu bauen und den Dialog zu fördern. Das erleichtert nicht nur die Verständigung zwischen verschiedenen religiösen Gruppen, sondern weckt auch neu die geistlichen Kräfte, die für die Aufbauarbeit des Landes in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden nötig sind. […] Wenn die religiösen Oberhäupter sich öffentlich mit einer einzigen Stimme gegen Gewalt unter dem Deckmantel der Religion aussprechen und danach trachten, die Kultur des Konfliktes durch die Kultur der Begegnung zu ersetzen, schöpfen sie dabei aus den tiefsten geistlichen Wurzeln ihrer verschiedenen Traditionen“, sagte der Papst. (rv v. 1. 12.; JA v. 10. 12.)

 

Es war eine bunte und vielstimmige Begegnung in Dhaka: das Friedenstreffen der Religionen, Höhepunkt des zweiten Reisetages von Papst Franziskus in Bangladesch. Buddhisten, Muslime, Hindus und Christen tummelten sich am 1. Dezember im Garten des erzbischöflichen Palais‘. Er nahm sich bei der Begegnung Zeit, um drei Rohingya-Familien anzuhören, die aus einem Flüchtlingslager in die Hauptstadt gereist waren. Danach bekundete er den Angehörigen der Rohingya seine Nähe und bat um Vergebung für das Leid, das ihnen widerfahren sei. Dabei benutzte er in freier Rede das Wort „Rohingya“, welches er in den offiziellen Reden auf seiner Reise bislang ausgespart hatte. In seiner Ansprache zuvor hatte er das gemeinsame Anliegen für das interreligiöse Friedenstreffen aufgegriffen – „den Wunsch nach Harmonie, Brüderlichkeit und Frieden, die tief in den Lehren der Weltreligionen verwurzelt sind. […] Möge unser Treffen an diesem Nachmittag ein klares Zeichen des Bemühens der Führer und Anhänger der in diesem Land vorhandenen Religionen sein, in gegenseitigem Respekt und mit Wohlwollen zusammenzuleben.“ Diese Werte dürften allerdings kein Lippenbekenntnis bleiben, sie müssten entschieden und im Alltag extremistischen Tendenzen entgegengesetzt werden: „In Bangladesch, wo das Recht auf Religionsfreiheit ein grundlegendes Prinzip ist, möge diese Verpflichtung eine respektvolle aber entschiedene Mahnung an all diejenigen sein, die versuchen, Trennung, Hass und Gewalt im Namen der Religion zu schüren.“ Die Religionen trügen mit einem solchen Bemühen nicht nur zu einer Kultur des Friedens bei. Ihre Werte der Offenheit, Akzeptanz und Zusammenarbeit seien deren „schlagendes Herz“. Der die Gruppe begleitende Imam sprach am Ende ein Gebet. (rv v. 1. 12.)

 

Die Kirche von Bangladesch müsse den Laien müsse mehr Spielraum einräumen, formulierte Papst Franziskus in der Hauptstadt Dhaka, und rief zu einer guten Ausbildung des geistlichen Nachwuchses auf. Franziskus ermutigte in diesem Kontext seine Zuhörer, Kontakte in Richtung der Ordensgemeinschaften und der Laien auszubauen. Vor allem den Laien müsse mehr Spielraum im Leben der Ortskirche eingeräumt werden, „auch durch kanonische Strukturen, die vorsehen, dass ihre Stimme gehört und ihre Erfahrungen gewürdigt werden. Erkennt die Charismen der Laien, Männer und Frauen, und bringt sie zur Geltung! Ermutigt sie, ihre Gaben in den Dienst der Kirche und der gesamten Gesellschaft zu stellen!“ In Bangladesch gebe es „zahlreiche eifrige Katecheten“, die wesentlich zum Glaubenswachstum der jungen Leute beitrügen: „Sie sind wahre Missionare und Gebetsvorsteher, vor allem in den am weitesten abgelegenen Gebieten. Achtet auf ihre geistlichen Bedürfnisse und auf ihre ständige Glaubensbildung“, appellierte der Papst an die Bischöfe. (rv v. 1. 12.)

 

Die Muslime in Bangladesch sind zufrieden mit der Reise von Papst Franziskus. „Ich glaube, seine Großzügigkeit gegenüber den anderen Religionen wird auch seine Anhänger in Bangladesch inspirieren, ein Gleiches zu tun“, sagte der Präsident des islamischen Akademikerverbands (Jamiatul Ulama), Fariduddin Masoud, der Nachrichtenagentur „efe“. Die konservative „Islamische Bewegung von Bangladesch“ hätte sich allerdings klarere Worte des Papstes zur Verteidigung der muslimischen Rohingya-Flüchtlinge gewünscht. (efe u. rv v. 3. 12.)

 

Der Päpstliche Dialog-Rat und die Palästinensische Kommission für den interreligiösen Dialog wollen eine ständige Arbeitsgruppe einrichten. Der Papst empfing eine Planungsgruppe von Palästinensern am 6. Dezember. Es sei ihm eine „besondere Freude, mit religiösen und intellektuellen Persönlichkeiten der Palästinenser“ eine „Brücke des Dialogs“ zu bauen. Auch der Koran erwähne den Dialog zwischen dem Erzengel Gabriel und der Jungfrau Maria in Nazareth. Jesus sei „das Wort Gottes“, und sein Reden zu den Menschen sei „der Dialog Gottes mit der Menschheit“. Franziskus betonte, dass das nicht seine Formulierung sei, sondern „die Worte eines muslimischen Verantwortlichen“. Dialog sei auf allen Ebenen wichtig, auch „unter den verschiedenen religiösen Gemeinschaften“, fuhr der Papst fort. Voraussetzung für Dialog seien der gegenseitige Respekt und der Respekt vor den Rechten jedes Menschen, „wo auch immer er sich befindet“. (rv v. 6. 12.)

 

Ägypten will Orientierung im Durcheinander von Rechtsgutachten („Fatwas“) schaffen. Die „Al-Inftaa“, eine offizielle muslimisch-religiöse Institution, soll nun ein Gesetz entwerfen, das bestimmte Behörden zur Ausstellung von Fatwas autorisiert. Wer solche religiösen Rechtsgutachten in Zukunft unbefugt ausstellt, muss mit Geld- und Gefängnisstrafen rechnen, berichtet die Agentur cath.ch. Zur Vorbereitung auf die Neuregelung bei der Ausgabe von Fatwas fand von 17. bis 19. Oktober in Kairo eine Konferenz statt. Beobachtern zufolge spielten in Ägypten aufwiegelnde und sachlich haltlose Fatwas bei den blutigen Angriffen durch dschihadistische Gruppen eine wesentliche Rolle. (cath.ch u. rv v. 6. 12.)

 

Die Enteignung des jahrhundertealten Klosters Mor Gabriel in der Osttürkei ist zurückgenommen worden. Die Entscheidung ist von den Gremien der türkischen Regierungspartei AKP begrüßt worden und dürfte von der russischen orthodoxen Kirche erreicht worden sein, die das türkisch-russische politische Tauwetter dazu benützt haben soll, dahingehend Druck auszuüben. Seitens der aramäischen Christen in der Türkei wurde die Rückgabe des Klosters Mor Gabriel an eine Kloster-Stiftung begrüßt. Der stellvertretende Ministerpräsident Hakan Cavusoglu hatte die Rückübertragung zugunsten der Stiftung vor einer Woche bestätigt. Der zuständige Pfarrer Gabriel Akyüz sprach von „guten Neuigkeiten“. (JA v. 10. 12.)

 

Die griechisch-katholische Kathedrale in Homs (Syrien) ist nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet worden. Sie war von Mai 2011 bis Mai 2014 von den IS-Milizen als Kaserne missbraucht worden. Dabei wurden zahlreichen Ikonen zerstört oder geraubt, die Gräber der verstorbenen Bischöfe geschändet. Erst im Mai 2017 konnte das syrische Militär das letzte von Rebellen besetzte Stadtviertel zurückerobern. Seither kehren immer mehr Christen in die zerstörte Stadt zurück. „Mit eurer Gegenwart bringt ihr Leben in diese Kathedrale zurück“, rief Patriarch Absi in seiner Predigt der Gemeinde zu. „Wir feiern heute nicht nur den Wiederaufbau dieser Kirche. Wir feiern auch den Willen, in unserem Land zu bleiben. Es ist das Zeichen, dass wir die Verzweiflung und den Tod überwunden haben.“ Finanziert wurden die Restaurierungen vom französischen „Oeuvre d’Orient“, von „Kirche in Not“ und von „SOS Chrétiens d’Orient“ sowie mit Hilfe von zahlreichen Freiwilligen. (JA v. 17. u. 24. 12.)

 

Im Dorf Telskuf in der Ninive-Ebene (Irak), etwa eine Autostunde nördlich von Mossul, erstrahlt die chaldäisch-katholische Kirche St. Georg wieder in neuem Glanz. Es ist dort das erste wiederaufgebaute Gotteshaus nach der Zerstörung durch den sogenannten „Islamischen Staat“. „Sie ist noch herrlicher geworden als vorher“, erzählt sichtlich bewegt Erzbischof Bashar Warda aus Erbil. Er war bei der Einweihung am 8. Dezember dabei. In Telskuf entfachte das Projekt eine wahre Sogwirkung, wie Warda berichtet: „Dort sind schon zwei Drittel der Familien zurückgekehrt. Es war ein deutliches Zeichen nötig, dass auch die Kirche wieder ihre Arbeit aufnimmt.“ Freiwillige packten mit an, „Kirche in Not“ stemmte die Finanzierung. Innerhalb weniger Monate war die Renovierung fertig. „Die schnelle Wiedereröffnung ist ein starkes Zeichen für alle anderen Dörfer“, sagt Bischof Warda. Nach aktuellem Stand werden über 28.000 Christen Weihnachten wieder in der alten Heimat feiern, mehr als ursprünglich angenommen. „Es ist der Hilfe aus dem Ausland zu verdanken […] Der IS ist verschwunden, wir sind da. Die christliche Präsenz bleibt erhalten.“ (JA v. 24. 12.)

 

In der irakischen Provinz Kirkuk wird auch dieses Jahr wieder der Christtag (25. Dezember) offizieller Feiertag sein, um in der Öffentlichkeit die Solidarität der Institutionen und der Gesellschaft mit den Christen zum Ausdruck zu bringen. Dies berichtet die katholische Nachrichtenagentur „Fide“. Der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako, der früher Erzbischof von Kirkuk war, dankte dem Gouverneur und der Provinzverwaltung für die Initiative. Die hoffnungsvolle Stimmung in den christlichen Kleinstädten und Dörfern der Ninive-Ebene zeigt ein weiterer Bericht der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ über die Situation in Karamles. AsiaNews zitiert den 42-jährigen Lehrer Jovial Maslob, der mit seiner Frau und den vier Kindern im Sommer 2014 vor den IS-Terroristen nach Duhok flüchten müsste und jetzt nach Karamles zurückgekehrt ist. Für ihn, seine Frau und die Kinder habe das heurige Fest der Geburt Jesu einen „besonderen Geschmack, weil wir wieder zu Hause sind“. Heute könne er sagen, dass den zurückgekehrten Christen von Karamles das schönste Weihnachtsgeschenk zuteil geworden sei, „die Heimkehr in unsere Häuser, in unsere kleine Stadt, die Hoffnung auf die Zukunft, dass sie von Frieden, Brüderlichkeit und Sicherheit für alle gekennzeichnet sein möge“. (vn u. kap v. 24. 12.)

 

Das Canisius-Kolleg in Berlin stellt eine Kopftuch tragende Muslimin als Lehrerin ein. „Wir haben uns bewusst für die Kandidatin entschieden, die das muslimische Kopftuch trägt“, sagte der Rektor des römisch-katholischen Gymnasiums, der Jesuitenpater Tobias Zimmermann zur Zeitung „Die Welt“. (JA v.31. 12.)

 

Die Erzdiözese Florenz stellt der muslimischen Gemeinde einen Baugrund für eine Moschee zur Verfügung. Die Kirche verkauft ein 8.300 Quadratmeter großes Areal in Sesto Fiorentino an den Moscheebauverein. Das Genehmigungsverfahren für das geplante islamische Zentrum wird insofern erleichtert, als der Bebauungsplan für das Kirchengrundstück bereits eine religiöse Nutzung vorsieht. (JA v. 31. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Am 5. Mai findet an der Universität Wien eine hochkarätig besetzte Konferenz „Europa und seine Muslime“ statt. Ziel dieser internationalen Veranstaltung ist es, Herausforderungen der Integration der muslimischen Bevölkerung in Österreich und Europa zu diskutieren. Expertisen liefern u. a. der Religionsrechtler Richard Potz, die evangelische Theologin Susanne Heine, die beiden Soziologen Christoph Reinprecht, der kurdisch-türkisch-stämmige Kenan Güngör sowie Liselotte Abid, Orientalistin an der Universität Wien. (Die Furche v. 26. 4.)

     

  • Der für Liturgie zuständige US-Erzbischof Wilton Gregory hat sich dafür ausgesprochen, die in den Vereinigten Staaten gültige Übersetzung des Messbuchs zu überarbeiten. Einige „problematische Stellen“ bräuchten eine Revision, da sie nicht dazu imstande waren, „die ganze Kirche hinter sich zu versammeln“, sagte der Erzbischof im Gespräch mit der Jesuitenzeitschrift „America“. Die heute gültige Übersetzung ist in den Gottesdiensten der US-Diözesen seit 2011 in Gebrauch. Sie wurde von allen Gläubigen nicht gut angenommen, Kritiker bescheinigten den Texten sprachliche Mängel, die aus dem Bestreben entstanden, möglichst nahe an der lateinischen Vorlage ins Englische zu übersetzen. Bei einer Überarbeitung wäre eine Beratung mit Priestern und Laien „hilfreich“, sagte Erzbischof Gregory. Vergangenen Herbst hatte Papst Franziskus die Verantwortung für die Übersetzung von liturgischen Texten vom Vatikan ausgelagert und den Bischofskonferenzen übertragen. (vn v. 3. 5.)

     

  • Die im katholisch-orthodoxen Dialog engagierten „Ökumene-Player“ müssen auch mit den sogenannten fundamentalistischen Gruppen ihrer Kirchen das Gespräch suchen. Das hat der Ostkirchenkundler an der Wiener Universität, Rudolf Prokschi, am 2. Mai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur kathpress betont. Prokschi bezog sich auf die dreitägige Tagung von Vertretern der offiziellen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche und der verschiedenen regionalen Kommissionen bzw. Initiativen letzte Woche in der Orthodoxen Akademie in Kolymbari (Kreta). Was die „Fundamentalisten“ in der Orthodoxie betreffe, so müsse man unterscheiden. Es werde da gewisse Gruppierungen geben, „mit denen wird man nicht ins Gespräch kommen können“. Im Grunde gehe es darum, dass die in der Ökumene Engagierten „ihre Vorsteher - das heißt die Patriarchen und Erzbischöfe - unterstützen und klar sagen: Das ist ein guter Weg. Dass also die positiven Kräfte gestärkt werden“. Bei dem Treffen sei auch betont worden, dass Ziele und Grundlagen des Dialogs einmal klargestellt werden müssten. „Ein erster Schritt wäre z. B., dass wir alle sagen: Wir können mit gutem Gewissen gemeinsam das Vaterunser beten. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Diejenigen aber, die dafür offen sind, müssen sich einmal sagen: Wir werden an dem jetzt festhalten und es auch tun. […] Wir haben versucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft unserer Kirchen zu skizzieren - in der Richtung, dass wir gesagt haben: Für uns sind viele Punkte, die immer wieder genannt werden, nicht kirchentrennend“, sagte Prokschi. (kap u. vn [=Vatican News] v. 2. 5.)

     

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