Ökumene

In Augsburg hat am 4. Jänner die ökumenische Glaubenskonferenz „Mehr“ begonnen, organisiert vom „Gebethaus Augsburg“. Das Treffen charismatisch orientierter Christen (ca. 11.000) fand zum elften Mal statt. Auf dem Programm stand unter dem Motto „Open up the gates“ („Macht die Tore weit auf“) christlich motivierte Vorträge, Konzerte, Diskussionen, Gebete und Lobpreisungen. Aus Österreich nahmen u.a. Jugendbischof Stephan Turnovszky und Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner teil. Als Redner traten James Mallon, Leo Bigger und Vishal Mangalwadi auf. Mallon ist römisch-katholischer Pfarrer aus Halifax (Kanada). Der Zürcher Pastor Bigger leitet die sich überkonfessionell verstehende Megachurch International Christian Fellowship (ICF), die größte Freikirche in der Schweiz. Mangalwadi ist ein indischer Theologe. Das „Gebetshaus Augsburg“ ist laut Selbstdarstellung eine ökumenische Initiative junger Christen und gehört zur „Charismatischen Erneuerung der katholischen Kirche“. Die „Mehr“-Teilnehmer kamen aus 40 Ländern, zu 90 Prozent aus dem deutschen Sprachraum. Gut 60 Prozent waren katholisch, 35 Prozent je zur Hälfte Anhänger der evangelischen Landeskirchen und von Freikirchen, drei Prozent waren orthodox. (religion.ORF.at/KAP u. vn v. 5. 1.; JA v 14. 1.)

 

Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen sieht anlässlich der byzantinischen Weihnachten, die am 7. Januar gefeiert werden, positive Entwicklungen im Bereich der Ökumene. Im Gespräch mit „Vatican News“ geht Dominikanerpater Hyacinthe Destivelle, Mitarbeiter der ostkirchlichen Sektion des Ökumene-Rates, auf die Früchte der vergangenen Monate ein: Für die größte der orthodoxen Kirchen, nämlich das Moskauer Patriarchat, war 2017 von vielen Austauschmomenten mit der römisch-katholischen Kirche geprägt. Als ökumenischer Erfolg zählt beispielsweise die Reliquienausstellung des heiligen Nikolaus in Moskau. „Das war nicht nur ein ökumenischer Event“, so Pater Destivelle. Auch aus kirchlicher und politischer Sicht habe diese Ausstellung viel Positives bewirkt. Eine weitere Annäherung zwischen der russisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche habe der Russland-Besuch des vatikanischen Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin im vergangenen August gebracht. (vn v. 5. 1.)

Papst Franziskus gratuliert zur Weihe der neuen orthodoxen Kopten-Kathedrale in Kairo. Das Gotteshaus wurde unter aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen am 6. Jänner eröffnet, an dem die Kopten Weihnachten feiern. Franziskus wünschte allen Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen ein frohes Fest der Geburt des Herrn. „Diese freudige Feier möge für euch Quelle neuer geistlicher Kraft und der Gemeinschaft zwischen uns allen sein, die wir Christen sind und im Herrn den Retter erkennen.“ Die neue Kathedrale ist der Geburt Jesu geweiht und steht in Ägyptens neuer Hauptstadt, die als Satellitenstadt östlich von Kairo gebaut wird. Sie bietet 8.200 Gläubigen Platz. (vn v. 6. 1. JA v. 21. 1.)

 

Eine Heiligen-Schau in Minsk (Weißrussland) verbindet Orthodoxe und Katholiken: Unter dem Motto „Die Heiligen der ungeteilten Kirche“ findet bis 20. Februar im „Nationalmuseum der Schönen Künste“ in Minsk eine Ausstellung von Ikonen, Mosaiken und Miniaturen statt. Die über 100 Exponate stammen aus historischen orthodoxen und katholischen Kirchen oder Klöstern. Es handelt sich um Abbildungen heiliger Frauen und Männer aus der Westkirche, aber in östlicher Sakralkunst, darunter die Heiligen Augustin, Benedikt, Maximilian, Victor oder Ludmilla. Umgekehrt werden von den weißrussischen Katholiken polnischer oder litauischer Herkunft ostkirchliche Heilige aus dem ersten Jahrtausend der ungeteilten Kirche verehrt, besonders Konstantin und Helena, die orientalischen Kirchen- und Mönchsväter sowie die heiligen Märtyrer von Vilnius aus dem Hochmittelalter. Die Ausstellung soll anschließend auch in Moskau zu sehen sein. (kna u. vn [=Vatican News] v. 12. 1.; JA v. 28. 1.)

 

In der isländischen Hauptstadt Reykjavik wird die erste orthodoxe Kirche gebaut. Wie die Stiftung „Pro Oriente“ am 13. Jänner in Wien mitteilte, handelt es sich um die russisch-orthodoxe St.-Nikolaus-Kirche. Architektonisch orientiere sich der Bau an der historisch bedeutsamen Demetriuskirche im russischen Wladimir, einst Hauptstadt des Großfürstentums Wladimir-Susdal. Pfarrer Timofej Zolotuskij sprach von einem „Meilenstein“ des orthodoxen Kirchenlebens in Island. Außer der russischen Gemeinde gibt es dort auch eine rumänische und eine serbische orthodoxe Gemeinschaft. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hatte im Oktober den Bauplatz gesegnet. Die Mehrheit der Isländer gehört der evangelisch-lutherischen Isländischen Staatskirche an, rund 12.000 sind römisch-katholisch. (kap u. vn v. 13. 1.)

 

Am 12. Februar wird auf Einladung von Kardinal Christoph Schönborn in Wien ein hochkarätiges Ökumene-Treffen mit dem vatikanischen Einheitsrats-Präsidenten Kardinal Kurt Koch und dem Präsidenten der Abteilung für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, stattfinden. Wie der Referent für die Orthodoxie im Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen, Pater Hyacinthe Destivelle, im „Zenit“-Interview am 16. Jänner sagte, habe das Treffen von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill in Kuba 2016 „eine neue Phase in unseren Beziehungen eröffnet“. Es habe z. B. zur Ausleihung der Reliquien des heiligen Nikolaus nach Russland geführt. Gefolgt sei der Russland-Besuch des Vatikanischen Staatssekretärs, Kardinal Pietro Parolin, im August. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe für kulturelle und spirituelle Projekten wurde gegründet. „Die spirituelle Ökumene und besonders die Ökumene der Heiligen ist sehr wichtig“, betonte Destivelle. Kulturelle Veranstaltungen wie Studienbesuche für junge Priester oder Konzerte seien ebenfalls wichtig, um anzuerkennen, dass „obwohl unsere Kulturen verschieden sind, wir denselben Glauben teilen“. Auch das „Dokument von Chieti“ (Italien 2016) sei eine Folge der guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Patriarchat von Moskau. (kap u. vn v. 16. 1.)

 

Erstmals ist es zu einer offiziellen Kontaktnahme zwischen dem Außenamt des Moskauer orthodoxen Patriarchats und der mit Rom unierten armenisch-katholischen Kirche gekommen, berichtete die Stiftung „Pro Oriente“ am 17. Jänner. Der Leiter des Außenamts, Metropolit Hilarion, empfing den armenisch-katholischen Bischof Raphael Minassian, armenisch-katholischer Ordinarius für Osteuropa. An dem Treffen in Moskau nahm auch der Pfarrer der örtlichen armenisch-katholischen Pfarrgemeinde, Archimandrit Petros Yesayan, teil. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen sowohl die Situation der armenisch-katholischen Kirche in der Russischen Föderation als auch die Christen im Nahen Osten. Erzbischof Minassian brachte die Dankbarkeit der nahöstlichen Christen für den historisch gewachsenen Einsatz der russisch-orthodoxen Kirche zum Ausdruck. (kap u. vn v. 17. 1.)

 

Am 25. Jänner fand eine Ökumenischen Vesper in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern statt. Traditionsgemäß nehmen an der Vesper zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen die Angehörigen des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und Vertreter der ökumenischen Partner teil. In Bezug auf die gehörte Lesung aus dem Buch Exodus erklärte der Papst zum Lobgesang des Moses und seine Schwester Maria: „Wer diesen Gesang anstimmt, ist sich dessen bewusst geworden, dass er nicht allein an den Ufern des Roten Meeres steht, sondern dass er von Brüdern und Schwestern umgeben ist, die dieselbe Gnade erfahren haben und dasselbe Lob ausrufen.“ Diese Erfahrung hätten auch die unterschiedlichen christlichen Konfessionen gemacht: „Im vergangenen Jahrhundert haben wir endlich verstanden, dass wir gemeinsam am Ufer des Roten Meeres stehen,“ rief er den konfessionell bunt gemischten Teilnehmern an der Vesper zu. Wie die Israeliten des Gottesvolkes sollten die Christen gemeinsam die Erinnerung daran bewahren, was Gott in ihnen bewirkt habe. „Wenn wir diese Erinnerung wiederbeleben, können wir uns gegenseitig unterstützen und, nur bewaffnet mit Jesus und der süßen Kraft seines Evangeliums, jeder Herausforderung mit Mut und Hoffnung entgegentreten.“ (vn v. 25. 1.)

 

Nach der Gewalttat an der Käthe-Kollwitz-Schule in Lünen (Deutschland) bieten die Kirchen ihren Beistand in ökumenischer Verbundenheit an. „Es ist gut, dass sich zunächst eine große Zahl von ausgebildeten Notfallseelsorgern und Psychologen ganz akut um die Kinder und Jugendlichen gekümmert hat“, sagte der römisch-katholische Pfarrer von Lünen, Thomas Roddey, am 24. Jänner. „Wir als Kirchen werden in der Folgezeit gefragt sein. Und dafür stehen wir bereit“, so der Leiter des Pastoralen Raumes Lünen. Unter anderem standen der römisch-katholische Gemeindereferent Stephan Wilhelm und die evangelische Pfarrerin Andrea Ohm gemeinsam den Eltern, Lehrkräften und Schülern als Ansprechpartner zur Verfügung. (kna u. vn v. 24. 1.)

 

Am 31. Jänner hat der Erzbischof von Wien, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, zum Ökumenischen Empfang anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen geladen. Im Rahmen dieses Empfanges fand die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Stiftung „Pro Oriente“ an den Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis) und an den Wiener koptisch-orthodoxen Bischof Anba Gabriel statt. Anschließend wurde die Dokumentation über die „Einstimmungen in den ‚Tag des Judentums‘ “ der vernetzten Wiener Dekanate 13 bis 19 durch Frau Dr. Elisabeth Lutter präsentiert. Dazu der frühere Pressechef der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger: Ein eindrucksvolles Bild der Ökumene stellte Kardinal Schönborn an den Beginn des Empfangs im Erzbischöflichen Palais: Die christliche Ökumene als Rad mit Jesus Christus als Nabe und den Konfessionen als Speichen, die einander umso näher kommen, je mehr sie sich der Nabe nähern. Im Mittelpunkt des Empfangs stand die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Stiftung „Pro Oriente“ an den Metropoliten Arsenios (Kardamakis) und an den Bischof Anba Gabriel. Kardinal Schönborn dankte Metropolit Arsenios in herzlichen Worten dafür, dass er das ökumenische Erbe seiner Vorgänger Chrysostomos Tsiter und Michael Staikos entschlossen weiterführe. An beide ostkirchlichen Bischöfe gewandt unterstrich Kardinal Schönborn die Bedeutung der freundschaftlichen Verbindung von Papst Franziskus sowohl mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. als auch mit dem koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II. Der Vorsitzende der Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen (und „Pro Oriente“-Vizepräsident), Prof. Rudolf Prokschi, erinnerte in seiner Würdigung von Metropolit Arsenios daran, dass es ihm darum gehe die Einheit der Orthodoxie jenseits aller nationalen Zuordnungen sichtbar zu machen. Auch Anba Gabriel sei – wie viele koptische Seelsorger – „zutiefst und zuinnerst“ Mönch. Das Mönchtum sei ein Geschenk der koptisch-orthodoxe Kirche an die gesamte Christenheit, betonte Prokschi. (Der Sonntag v. 11. 2.; poi v. 1. 2.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)