Halik Tomas: Geduld mit Gott. Die Geschichte von Zachäus heute

Fernstehende und Zweifelnde als Geschwister

„Mit den Atheisten stimme ich in vielem überein, in fast allem - außer ihrem Glauben, dass es Gott nicht gibt.... Das Schweigen Gottes und die beklemmende Gottesferne bedrängen oft auch mich.“  Und er erinnert an Auschwitz, den Gulag, an Hiroshima. Das sind Worte des Autors Tomas Halik.  

Für ihn sind Atheismus, religiöser Fundamentalismus und leichtgläubiger religiöser Enthusiasmus „auffallend ähnlich in dem, wie schnell sie fertig sind mit dem Geheimnis, das wir Gott nennen“. Und darum sind für ihn diese drei Positionen „im gleichem Maße unannehmbar“

Halik arbeitete während des kommunistischen Regimes als Psychotherapeut in Prag und wurde 1978 heimlich zum Priester geweiht und lehrt heute an der Karlsuniversität.

Und er fragt: Wie wäre es, wenn Jesus am Ende der Zeiten, die Kirche fände, aber keinen Glauben? Das Warten auf Gott findet nicht nur im Vorzimmer des Glaubens statt, sondern gehört zum Herzen des Glaubens selbst.  

Viele Menschen sind orientierungslos, es gibt in Tschechien eine hohen Anteil an Atheisten unterschiedlicher Typologie.

Bekannte aus Prag bestätigen: Halik hat als Person eine starke Ausstrahlung und  eröffnet den Studierenden Perspektiven durch sinngebende Worte, und er zeigt auf Spuren des Glaubens in der säkularen Welt: in Musik, Architektur und Malerei.  

Als Universitätsseelsorger hat er 80 Studierende an die Erwachsenentaufe herangeführt. Vaclav Havel schätzte ihn sehr und sprach zu ihm: Er soll nach ihm Präsident der Republik werden.

Angesichts von Gottes Schweigen gilt es Geduld zu haben mit den Suchenden, Zweiflern, den Ungläubigen. Auch wir sollen  mit unseren Zweifeln ausharren, sie zulassen, dass sie uns zur Reife führen. Ein Schlüssel zum Buch ist die Episode des biblischen Zachäus.

Bemerkenswert sind literarische Verweise und die tiefenpsychologischen Deutungen von Nietzsches Gottsuche (!), zu Simone Weil und zu Theresia von Lisieux, die eine Nacht des Glaubens vor ihrem Tod erlebte.  Dieses lesenwerte Buch eröffnet einen fremden Kontext.   

Halik Tomas: Geduld mit Gott. Die Geschichte von Zachäus heute. Herder 2014.

 

                                                                                                                 Em. Prof. Dr.MMag.  Hans Högl

 

 

Tomás Halík

Halík, Tomáš, geboren 1948, arbeitete während des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei als Psychotherapeut. 1978 heimlich zum katholischen Priester geweiht, war er naher Mitarbeiter von Kardinal Tomášek und Václav Havel. Gegenwärtig Professor an der Karlsuniversität Prag. Von Johannes Paul II. zum Berater es Päpstlichen Rates für den Dialog mit den Nichtglaubenden ernannt; Benedikt XVI. verlieh ihm den Ehrentitel Päpstlicher Prälat.

Inmitten der gegenwärtigen Debatte über Glaube und Unglaube lehrt Tomás Halík, dass Gott uns auffordert, mit unseren Zweifeln auszuharren, sie in uns zu tragen und zuzulassen, dass sie uns zur Reife führen. Wer glaubt, muss große Geduld haben können, denn angesichts von Gottes Schweigen sind Glaube, Hoffnung und Liebe drei Aspekte von Geduld. So wie in der biblischen Erzählung der Zöllner Zachäus sein Leben ändert, können auch wir modernen »Zachäuse« uns die Botschaft Jesu zu Herzen nehmen.

Halik Tomaś, "Geduld mit Gott, Die Geschichte mit Zachäus heute", (aus dem Tschechischen von Vratislav Slezák) Verlag Herder, 260 Seiten, Kartoniert, Preis: 14,95 €, ISBN 978-3-451-30382-1

 

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