Gott ist ein Narr oder Heilung des Gelähmten

17.02.2012, Herbert Altmann

 

R-GD: 18./19. Februar 2012  Mk. 2, 1-12   (7. So. i. Jk. B)

Einleitung:
Buntes Treiben, Fröhlichkeit, Lachen, Singen, Tanzen und Springen prägen die letzten Faschingstage. Die Spaßgesellschaft feiert mit Umzügen und Sitzungen ihren Sieg über den Ernst des Lebens.

 

Auch Jesus – so werden wir hören - treibt es bunt und ermöglicht so einem Menschen das Lachen, Tanzen und Springen.
Jesus hat sich Narrenfreiheit erlaubt und ist damit auf Unverständnis gestoßen.
Weil er ihnen zu weit geht und sich unerhörte Freiheiten herausnimmt, verfolgen sie ihn mit Argwohn schmieden ein Mordkomplott gegen ihn.

 

Etwas salopp formuliert könnte man sagen: Gott hat es sichtlich Spaß gemacht, sie mit der Auferweckung Jesu zu widerlegen und Jesus zu bestätigen.
Diesen Spaß hat er sich und uns gegönnt. Das feiern wir hier und jetzt!

 

Kyrie:

 

+ Wussten sie schon, dass die Nähe eines Menschen sowohl krank als auch gesund machen kann?

 

+ Wussten sie schon, dass die Nähe eines Menschen sowohl traurig als auch froh machen kann?

 

+ Wussten sie schon, dass die Nähe eines Menschen sowohl lähmend als auch befreiend wirken kann?

 

Vergebungsbitte:

Jesus, deine Nähe macht auch heute Menschen gesund und froh.
Deine Nähe wirkt auch hier auf uns befreiend.
Weil du uns vergibst und uns von Sünde und Schuld freisprichst,
können wir aufstehen zu neuem Leben.
Dafür loben und preisen wir dich und singen voll Freude zu deiner Ehre unser Lied.

 

Lesung:

Warum vergibt Gott seinem Volk immer wieder?
Die überraschende Antwort: Allein um seiner selbst willen!
Vergebung heißt: Altes loslassen und ganz Neu beginnen.
Nur so kann er sich als „Gott des Lebens“ selbst treu bleiben.

 

Tagesgebet:  

Gott, oft sind wir wie gelähmt von persönlicher Schuld und eigenen Fehlern.
Nicht wenige meinen dann, dass Krankheit, Unglück  und Leid
eine gerechte Strafe Gottes dafür sind.
Jesus hat mit dieser falschen und gotteslästerlichen Vorstellung gründlich aufgeräumt.
Er hat ein für allemal klar gemacht, dass du kein strafender,
sondern ein verzeihender und barmherziger Gott bist.  
Gott, du willst dass wir auf eigenen Beinen stehen
und befreit durchs Leben gehen.
Lass uns fest daran glauben
und uns immer wieder daran aufrichten.
Darum bitten wir.

 

Fürbitten:

Guter Gott,

Vieles engt das Leben von uns Menschen ein und lähmt unser Denken und Handeln.
Du willst uns in Bewegung bringen. Du ermöglichst immer einen Neubeginn für uns. Wir vertrauen dir und bitten wir dich:

 

+ Gib den Kranken das Vertrauen des Gelähmten und uns Gesunden, schenke den mutigen Glauben seiner Helfer.

 

+ Gib unserer Zeit prophetische Zeugen, die mutig, lebensnah und mit Freude dein Wort unserer Welt verkünden und Hoffnung stiften.

 

+ Gib den Verantwortlichen in der Kirche Mut zu Erneuerungen und Reformen, die Neues möglich machen.

 

+ Lass uns einander immer wieder vergeben und verzeihen, damit in unsern Beziehungen ein Neubeginn möglich wird.

 

+ Vergib unser verstorbenen Angehörigen und Freunden Sünde und Schuld damit sie die Freude des neuen Lebens in deiner Nähe erfahren.

 

Guter Gott,
in Jesus hast du Menschen Befreiung und Heilung erfahren lassen.
Auch wir dürfen immer wieder deine lebendig machende Nähe spüren.
Dafür danken wir dir durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. Amen.

 

Präfation: Jesus geht an keiner Not vorüber (Schweizer Hochgebet 3)

 

Meditation:

Manchmal, Herr,
bräuchte ich die Demut, ein Narr zu sein.
Einer, über den sie lachen und erschrecken,
weil er die Wahrheit sagt.
Manchmal bräuchte ich ein wenig mehr von deiner Art.
Schenk mir, Herr, immer mehr von deiner Narrenfreiheit!

 

Segen:

Lebendiger Gott,

 

Schenke uns Barmherzigkeit mit uns selbst,
wenn wir fallen.

 

Schenke uns Geduld mit unseren Mitmenschen,
wenn sie Fehler und Schwächen zeigen.

 

Schenke uns die Gewissheit,
dass du in mit und durch uns wirken willst.

 

Erfülle uns mit deiner vergebenden Barmherzigkeit,
damit neues Leben unter uns wachsen kann.

 

So segne uns Gott,
der Vater, der Sohn und der heilige Geist.
Amen.

 

Predigt:
Am Faschingswochende ist, wie mir scheint,
es angebracht, dass sich die Predigt auch mal reimt.

 

So grüß ich alle, die hierher gekommen,
die ganz Normalen und die sogenannten Frommen,
die noch etwas Müden und die ganz Wachen,
die besonders Starken und die Schwachen,
Ich grüß die Kranken, die Gesunden,
die ziemlich Dünnen und die etwas Runden,
Kurz: niemand fühle sich ausgenommen,
den hier sind alle herzlich willkommen.

 

Natürlich will korrekt ich walten,
und an das Bibelwort mich halten.

 

Da wird erzählt, wie die Leute schieben drängen,
und Jesus förmlich an den Lippen hängen.
Er will mit Worten und Bildern,
die Güte Gottes eindringlich schildern.
Er erzählt in der ganzen Umgebung
von Gottes Barmherzigkeit und Vergebung.
Dass Gott auch den größten Sünder noch liebt
und ihm ohne Bedingung die Schuld gleich vergibt.

 

So wie er sprach von Gott noch keiner zuvor,
für so eine Frohbotschaft sind sie ganz Ohr.
Wenn Jesus wo hinkam machte es ganz schnell die Runde
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich davon die Kunde.
Kein Wunder also – wenn man es recht besieht,
dass so ein Typ die Massen anzieht.

 

Doch halt – es ist wohl nicht bei allen so,
manche werden darüber gar nicht froh.  
Diese Menschen finden Jesus gar nicht amüsant,
Pharisäer werden sie in der Bibel genannt.
Bei den sogenannten religiösen Intelligenzen,
stößt Jesus auf taube Ohren und an Grenzen.
 

Was er sagt, ist in ihren Augen ein Skandal
Es ist einfach falsch und katastrophal!
Niemand kann und darf sich erdreisten,
im Namen Gottes Sündenvergebung zu leisten.
Sünden vergeben darf und kann nur der Herr,
und keinesfalls ein dahergelaufener Kerl wie der!
Darum fühlen sie sich bei Jesus gar nicht wohl,
denn er bricht Gottes Vergebungsmonopol.
So denken sie still bei sich in ihrem Herzen,
mit diesem Jesus ist nicht zu spaßen, zu scherzen.

 

Aus ihren dunklen Gedanken reißt sie ein mächtiger Krach,
plötzlich ist da ein großes Loch im Dach.
4 Männer lassen auf einer Bahre einen Gelähmten herunter
Dieser Kult um Jesus scheint`s, wird immer bunter.

 

Während viele noch denken: „was die sich erlauben“,
sieht Jesus nur ihr Vertrauen, ihren Glauben.
Jesus selbst ist im Herzen betroffen,
denn durch die 4 ist der Himmel nun offen.
Für Jesus ist dies ein Zeichen,
dass die lähmende Sünde soll von ihm weichen.

 

Doch bevor der Lahmen kann durch Jesus wieder hupfen,
hat dieser noch ein Hühnchen mit den Pharisäern zu rupfen.
Ihr zweifelt an mir und meiner Lehre
Ich zeig euch, dass ich sehr wohl Gott geb´ die Ehre.
Ich weich euren Gedanken nicht aus
Und drum frag ich euch gerade heraus:
Ist es leichter zu sagen: „Mensch, dir ist vergeben“,
oder: „Du darfst wieder aufrecht nun leben“?
Für mich, ich sag`s euch klipp und klar,
ist das eine nicht ohne das andere wahr!

 

Nicht der Mann auf der Bahre – so meine Gedanken,
sondern ihr, mit eurem Denken, seid der wahre Kranken.
Ihr seid gelähmt durch Vorschrift und Tradition
Von dieser Gefahr warnten die alten Propheten ja schon.
Denkt nicht an das was früher war,
sagte Jesaja schon ganz klipp und klar.
Das Neue das zum Vorschein kommt, solltet ihr bemerken
Und versuchen es mit all euren Kräften zu stärken.
Gott ist immer für Überraschungen gut,
aus seiner steten Vergebung schöpfe ich Mut.
Gottes ewig vergebende Liebe und Treue
schafft zu jederzeit und immer das Neue.

 

Darum sag ich zum Lahmen hier:
aber auch zu allen herinnen und draußen vor der Tür:
„Steht auf, nehmt eure Bahre und geht nach Haus,
denn euer alter Leidensweg ist für immer nun aus.
Ein neues Leben sollt ihr jetzt beginnen,
und ihr Pharisäer werdet euch hoffentlich auch noch besinnen!

 

So hat Jesus ein für allemal die Sache geklärt,
seine Botschaft ist bis heute nicht verjährt.
Sie ist immer noch brandaktuell
Die Kirche wird’s hoffentlich begreifen ganz schnell.
Vor allem den letzten Satz sollte sie nicht übergehen,
der lautet: „So etwas haben wir noch nie gesehen“.

 

Der Satz - einmal anders gewendet,
könnt heißen, dass Gott nicht nur zölibatäre Männer ins Priesteramt sendet.

 

Es muss nicht immer alles bleiben bei der alten Normen,
es wird Zeit für Aufbruch und Reformen.
Die Kirche selbst kann den Weg zu Jesus verbau´n,
man braucht nur auf die letzten Jahre zu schau´n.
Wer nach hinten schaut, statt nach vorn,
bei dem wird sicher nichts Neues geborn.  

 

Die Kirche sie steckt wahrhaft tief in Krise,
sie zu beenden ist die gegenwärtige Devise.
Das wird gewiss keinem allein gelingen,
drum sollte sich jede/r Christ/in sich einbringen.
Die Aufgabe dabei ist vor allen Dingen,
die Menschen wieder mit Jesus in Berührung zu bringen.
Weil Berührung mit Jesus ganzheitlich heilt,
und Menschen zu neuem Leben befreit.

 

Wir sollten uns auf das Beispiel der 4 Freunde besinnen,
wollen wir heute Menschen für Jesus gewinnen.
Unkonventionelle Wege gilt es zu finden
und sich dabei an Notleidende zu binden.
Vielleicht müssen auch wir alte Dächer abdecken
um den offen Himmel für uns zu entdecken.
Wenn Jesus so auch unseren Glauben sieht,
bin ich sicher, dass dies auch heute Menschen anzieht.
Gehen wir frohen Mutes und in Gottes Namen
ans Werken und Beten, Aus, Schluss und Amen!

 

Der Gottesdienst wurde in der Pfarre Kirchdorf an der Krems gestaltet.

 

 

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