Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der Warschauer Oberrabbiner und Rabbinerverbands-Vorsitzende Michael Schudrich hat den römisch-katholischen Bischöfen Polens für deren klare Verurteilung des Antisemitismus gedankt.  (JA v. 1. 4.)

 

Der interreligiöse Rat Russlands hat beschlossen, dem Staat das Verbot islamisch-wahabitischer Vereinigungen zu empfehlen. Der Vorschlag, den Wahabismus als extreme Form des Islam in Russland zu verbieten, kam vom Mufti Kami Samigullin, dem Vorsitzenden der Religionsverwaltung der Muslime aus Tatarstan. Der Wahabismus sei eine Ideologie, die es zu verbannen gelte, weil sie „Hass unter den Menschen“ verbreite. Samigullin betonte, die Wahhabiten besäßen inzwischen eine Reihe von Einrichtungen in Russland, die großen Zustrom verzeichneten. Ein Verbot könnte dieses Wachstum eindämmen, besonders das Anwerben zukünftiger Terroristen würde schwieriger. Die Mitglieder des Rates beschlossen auch, eine wissenschaftlich-theologische Vereinigung für interreligiöse Bildung einzurichten, zu der theologischen Institute aller Konfessionen beitragen sollten. Dies würde formell eine theologische Spezialisierung auf Universitätsebene für die drei Hauptreligionen des Landes, orthodoxes Christentum, Islam und Judentum, bedeuten. (asianews u. vn v. 1. 4.)

 

Pakistanische Christen haben die Einrichtung von zwei Sonderbüros durch Mian Saqib Nisar, den obersten Richter des Landes für Anzeigen von Menschenrechtsverletzungen und für religiöse und andere Minderheiten des Landes, begrüßt. Man müsse allerdings abwarten, wie diese Sonderbüros Mitgliedern von Minderheiten zur Gerechtigkeit verhelfen könnten, die „sich keinen teuren Rechtsbestand leisten können“, sagte Aftab Gill von der christlichen Partei Masiha Millat dem katholischen Pressedienst „Ucanews“. Chefrichter Mian Saqib Nisar hatte die Einrichtung der Sonderbüros nach einer Gerichtsverhandlung bekanntgegeben. (ucan u. vn v. 2. 4.; JA v. 15. 4.)

 

Der Gerichtshof von Kuwait hat ein Ehepaar zum Tod verurteilt, das seine philippinische Haushaltshilfe Joanna Demafelis ermordet haben soll. Der Vorsitzende der Kommission für Migranten der philippinischen Bischofskonferenz, Ruperto Santos, Bischof von Balanga, begrüßte die Entscheidung des Gerichtshofs von Kuwait. Er bezeichnete das Urteil als „höchst willkommen und ermutigende Neuigkeit. […] Wir sehen hier die Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit Kuwaits, Joanna Demafelis Recht zu verschaffen und das Wohlbefinden unserer Gastarbeiter dort zu beschützen.“, sagte der Prälat. In Kuwait arbeiten etwa 250.000 philippinische Gastarbeiter. (ucanews u. vn v. 5. 4.)

 

Im Libanon hat Staatsoberhaupt Michel Aoun heuer erstmals den Präsidentenpalast in Baabda (Großraum Beirut) für die Feier des Festes Mariä Verkündigung geöffnet. Neben dem syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. an der Spitze nahmen zahlreiche christliche, sunnitische, schiitische und drusische religiöse Führungspersönlichkeiten an der Feier am 26. März teil. Auch Organisationen, die sich um den christlich-islamischen Dialog annehmen, waren stark vertreten. Bei der Feier wurde der entsprechende Passus aus dem Lukas-Evangelium (Kapitel 1,26-38) und die Parallel-Schilderung aus dem Koran (Sure al-Imran) verlesen, berichtete der Pressedienst der Stiftung „Pro Oriente“. Die Proklamation von Mariä Verkündigung zum staatlichen Feiertag im Libanon im Jahr 2010 war eine muslimische Initiative mit dem erklärten Ziel, in der Verehrung Mariens eine Konvergenz zwischen den verschiedenen Religionen zu finden und so die Spannungen zu entschärfen. (JA v. 8. 4.)

 

Vertreter der sechs Hauptreligionen in Indien rufen gemeinsam zu dazu auf, Menschen nicht aufgrund ihrer Religion als patriotisch oder unpatriotisch zu brandmarken. Führer von buddhistischen, christlichen, hinduistischen, jainischen, muslimischen und Sikh-Gemeinschaften versammelten sich am 5. April im Bundesstaat Goa, um ihre Besorgnis über die Spannungen in verschiedenen Regionen des Landes zum Ausdruck zu bringen. „Wir wenden uns entschieden gegen jeden, der individuelle Entscheidungen kontrollieren will. Niemand darf aufgrund seiner Religion, Region oder Gemeinde als antinational oder nicht-patriotisch eingestuft werden“, heißt es in der Erklärung am Ende des Treffens. Jeder Inder hat seine eigene Würde, verdient Respekt und das Recht zu entscheiden, was er isst, wen er heiratet und welchen Glauben er leben will. Sushil Goswamy Maharaj, ein Vertreter der Hindus, sagte, es komme einer Beleidigung gleich, einen Nicht-Hindu als Nicht-Inder zu bezeichnen. „Wenn heute eine Religion keine andere ertragen kann, dann kann Indien nicht vorwärts gehen", warnte er. (ucanews u. vn v. 9. 4.)

 

Als „Stimme des Gewissens“ setzt sich in Israel eine Gruppe von Rabbinern unter dem Namen „Anne-Frank-Bewegung“ für die Menschenrechte in Israel und gegen die Vertreibung der Palästinenser ein, denn diese sei ihrer Meinung nach nicht mit jüdischen Werten vereinbar. Sie streiten vor Gericht für palästinensische Bauern, die enteignet wurden, organisieren Aktivitäten für muslimische Beduinenkinder, pflanzen Seite an Seite mit Palästinensern Olivenbäume, wo zuvor israelische Panzer Olivenhaine zerstört haben. Die über hundert Rabbiner und angehende Theologen sind „die einzige rabbinische Stimme in Israel, die sich explizit für die Menschenrechte engagiert“, so die Gruppe nach eigenen Angaben. (Publik Forum v. 13. 5.)

 

Salma al-Majidi ist 27-jährige Sudanerin und die erste Frau, die vom Weltfußballverband FIFA als Trainerin einer Herrenmannschaft anerkannt wird. Sie trainiert den Regionalklub „Al-Ahly à Al-Gedaref“. Fußball spielende Frauen gibt es in Sudan sehr wenige. (Publik Forum v. 13. 4.)

 

Frauen des Glaubens für den Frieden („Women of Faith for Peace“) ist ein internationales Netzwerk jüdischer, christlicher und muslimischer Frauen in Führungspositionen aus verschiedenen Konfliktzonen der Welt. Das Friedensprojekt wurde 2009 in Trient (Italien) von der Regisseurin und Schriftstellerin Lia Beltrami gegründet. 2017 erhielt die Organisation den renommierten Goldenen Löwen von Venedig für den Frieden. Aktuell veranstalten sie gemeinsam mit dem Päpstlichen Institut für arabische und islamische Studien sowie mit dem Ökumene-Büro der Italienischen Bischofskonferenz Tagungen in Rom. Beltrami ist von der starken Rolle der Frau überzeugt: „Die Frau ist Mediatorin, sie sorgt, beschützt, erzieht, begleitet. Diese Berufung zum Leben, die in allen Religionen präsent und manchmal noch zu stark unterdrückt ist, muss hervortreten.“ (vn v. 13. 4.)

 

Indiens religiöse Führer beschließen, die Lehren der verschiedenen Glaubensrichtungen unverfälscht zu verbreiten. So wollen sie religiös motiviertem Hass und Gewalt vorbeugen. Mehr als 1500 religiöse Führer haben sich zu einer zweitägigen Versammlung getroffen. Das berichtet die Nachrichtenagentur „ucanews“ am 13. April. Repräsentanten der Hinduisten, Muslime, Christen, Sikhs, Jain und Buddhisten sowie religiöser und sexueller Minderheit haben an einer Konferenz am 11. und 12. April in Indore teilgenommen. „Wir sehen eine Zunahme von religiöser Gewalt im Land und müssen dafür eine Lösung finden. Diejenigen, die Gewalt verbreiten, sind keine religiösen Menschen. Sie verstehen die Grundsätze ihrer Religion nicht“, sagte Adil Sayeed, einer der Organisatoren. Die Teilnehmer haben sich laut Sayeed dazu verpflichtet, den Angehörigen ihrer Religion die wahre Lehre ihres Glaubens nahezubringen, denn keine Religion lehre Hass und Gewalt. (ucanews u. vn v. 13. 4.)

 

Die Deutsche Bischofskonferenz will den Dialog zwischen Christen und Muslimen fördern. Dazu organisierten die römisch-katholischen Bischöfe am 14. April in Frankfurt einen Empfang für 100 geladene Gäste. „Wir kommen als Christen unterschiedlicher Konfessionen und als Muslime verschiedener religiöser, nationaler und kultureller Zugehörigkeiten erstmals in dieser Form zusammen", betonte der Limburger Bischof Georg Bätzing. Die Bischofskonferenz wolle damit „ein Zeichen setzen für die Bedeutung des christlich-islamischen Dialogs und dies mit einem theologischen Gesprächsimpuls verbinden". Zu den Gästen zählten die Vorsitzenden der Deutschen Muslim-Liga und des Islamrats sowie der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, außerdem die hessischen Landesvorsitzenden des Verbandes Islamischer Kulturzentren, des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib, des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken und des Geistlichen Rats der Alevitischen Gemeinde von Hessen. Bätzing sagte weiter, der Empfang verstehe sich auch als ein Signal für den christlich-islamischen Dialog. Bätzing verwies auf zahlreiche bestehende Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen: „Auch die Muslime verehren sowohl Maria als auch ihren Sohn Jesus; auch der Islam kennt den Engel Gabriel als Boten Gottes". Während des Treffens sagte Pater Felix Körner, Professor für Theologie der Religionen an der Päpstlichen Universität Gregoriana in einem Vortrag, dass Christen und Muslime von den jeweils anderen „geistlichen Traditionen" lernen könnten. Er könne sich „ein Zusammenleben vorstellen, das von geistlichen Zentren verschiedener Religionen inspiriert ist". Diese müssten „gut ausgebildete Begleiter" haben. Imtiaz Ahmad Shaheen, islamischer Theologe und Imam der Nuur Moschee in Frankfurt, wertete das Treffen als positives Zeichen „in Anbetracht der religiösen Unwissenheit und Islamfeindlichkeit, die derzeit in der Gesellschaft herrschen". (katholisch.de u. vn v. 14. 4.)

 

Erstmals in der Geschichte Pakistans ist auf dem Gelände einer islamischen Universität eine christliche Kapelle eingerichtet worden. Es handelt sich um die Kirche St. Mary im Atrium der Landwirtschaftlichen Universität von Faisalabad. Wie die Nachrichtenagentur „Asianews“ berichtet, hat der Erzbischof von Islamabad-Rawalpindi, Joseph Arshad, am 15. April die Einweihung vorgenommen. Er ist auch Vorsitzender der pakistanischen Bischofskonferenz. Bei der Feier dankte er der Universitätsverwaltung und der Regierung für ihre Unterstützung für diese Kapelle, in der Angehörige der christlichen Minderheit ungestört ihrem Glauben nachgehen können. Bisher waren in den knapp 180 Universitäten und höheren Bildungsstätten ausschließlich Moscheen zugelassen. Die Diözese übernahm umgerechnet etwa 2.000 Euro für Baukosten, während die Universität gut einen Quadratkilometer Land zur Verfügung stellte. (asianews u. vn v. 19. 4.; JA v. 29. 4.)

 

Bei seinem Aufenthalt in der saudischen Hauptstadt Riad hat Kardinal Jean-Louis Tauran politische und religiöse Autoritäten getroffen. Er appellierte an sie, für Frieden, Gerechtigkeit und aufrichtigen Dialog zu sorgen. Der saudische König Salman Bin Abd al-Aziz empfing am 18. April Tauran, Leiter des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, in seinem Palast. An dem Treffen nahmen außerdem der Erbprinz Muhammad bin Salman und Scheich Muhammad Abdul Karim Al-Issa, Generalsekretär der Muslimischen Weltliga, teil. Während des Treffens dankte Tauran dem König für seine Gastfreundschaft und erinnerte daran, „wie schädlich eine Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke sein könne“. Zudem lud der Kardinal den wahabitischen Herrscher dazu ein, den „aufrichtigen Dialog fortzusetzen, um angemessene Lösungen für die Herausforderungen der heutigen Welt“ zu finden. Er erwähnte „die Hunderttausenden von christlichen Arbeitern im saudischen Königreich“ und hob hervor, dass dies „ein Thema ist, dem Papst Franziskus mit großer Sorgfalt folgt.“ Frieden sei untrennbar mit Gerechtigkeit verbunden. „Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit, keine Gerechtigkeit ohne Vergebung“. Daher sein Schlussappell: „Die Erziehung der jungen Generationen zum Frieden ist grundlegend.“ Auch in den arabischen Medien stieß der Besuch des Kurienkardinals auf ein großes Echo. Saudi-Arabien befindet sich unter dem zunehmenden Einfluss des Kronprinzen Muhammad bin Salman auf Reformkurs. Der 32-Jährige versucht das Land auf eine gemäßigtere Form des Islam einzuschwören. Jüngst anerkannte er öffentlich das Existenzrecht Israels. (vn v. 20.4.)

 

Als einen „wichtigen Schritt für den interreligiösen Dialog“ hat das in Wien ansässige „König Abdullah Bin Abdulaziz International Centre für den interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) den Besuch von Kardinal Jean-Louis Tauran in Saudi-Arabien bezeichnet. Er war als Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog in den vergangenen Tagen u.a. mit der Spitze des saudischen Königshauses in Riad zusammengetroffen. Dabei hatte Tauran vor jeder Instrumentalisierung der Religion durch die Politik gewarnt. Das KAICIID berichtete in einer Presseaussendung darüber hinaus von einem Zusammentreffen Taurans mit KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar in Riad. Dabei habe Kardinal Tauran die freundschaftlichen Beziehungen des Vatikan zum Wiener Dialogzentrum unterstrichen. Der Sekretär des Rates für den interreligiösen Dialog, Bischof Miguel Angel Ayuso Gixot, würdigte die Dialogarbeit der Wiener Einrichtung, insbesondere auch die Stipendienprogramme für Frieden und Versöhnung, die es ermöglichten würden, „das Zentrum als Referenz, als Förderer des interkulturellen und interreligiösen Dialogs in der Welt zu sehen“. (kap u. vn v. 22. 4.; JA v. 29. 4.; Die Furche v. 3. 5.; JA v. 6. 5.)

 

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat zu einer Stärkung der christlichen Präsenz im Heiligen Land aufgerufen. „Lasst uns zusammenarbeiten, um allen Herausforderungen und Versuchen zu begegnen, die christliche Präsenz und die Präsenz der Kirchen besonders in Jerusalem zu untergraben“, teilte er in einem Ostergruß an die Jerusalemer Kirchenführer mit. Jerusalem bezeichnete Abbas dabei als „Hauptstadt Palästinas, die wir offen und zugänglich für alle Gläubigen und Anhänger der drei monotheistischen Religionen halten wollen“. Palästina sei stolz auf seine Christen, ebenso wie es stolz auf die palästinensischen Christen in der Diaspora sei, die „ihren Staat und ihr Volk positiv repräsentieren“, so Präsident Abbas. (JA v. 22. 4.)

 

In Albanien arbeiten die Religionen zusammen: In einer gemeinsamen Erklärung von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche, muslimischer und bektaschischer Glaubensgemeinschaft votieren diese gemeinsam für einen Beitritt ihres Landes zur EU: "Wir glauben, dass Rede- und Religionsfreiheit, Familie, Frieden und Solidarität Werte sind, die auch auf unserer Gesellschaft ruhen, die danach strebt, Teil der europäischen Familie zu sein", heißt es in der Erklärung. Unterzeichnet ist das Dokument von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche sowie der muslimischen und der bektaschischen Glaubensgemeinschaft. Die Religionsvertreter rufen die Verantwortlichen auf, weiterhin an notwendigen Standards zu arbeiten, um Teil von Europa zu werden. "Insbesondere wollen wir die Bemühungen um eine Justizreform verstärken sowie den Kampf gegen Korruption und die Armut der Albaner". Seit 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der EU. (islam.de v. 23. 4.; JA v. 6. 5.)

 

Die wachsende Bedeutung des christlich-islamischen Dialogs zwischen denjenigen nahöstlichen Führungspersönlichkeiten, die Religionsfreiheit und gleiche Bürgerrechte für alle Bewohner befürworten, ist am 26. April in Wien vom nationalem Dialogberater des Wiener KAICIID-Zentrums, Mohammad Sammak, sowie von „Pro Oriente"-Präsident Johann Marte betont worden. Sammak war 2007 einer der 138 Unterzeichner des offenen Briefes „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch" (A Common Word Between Us & You) an Persönlichkeiten des Islam und an „Führer christlicher Kirchen überall", darunter Papst Benedikt XVI. Er ist auch Generalsekretär des Nationalen Komitees für islamisch-christlichen Dialog (National Council for Islamic-Christian Dialogue) sowie Generalsekretär des Islamischen Geistlichen Gipfels (Islamic Spiritual Summit) im Libanon. Er dient auch als Berater des höchsten libanesischen Muftis, des Großmuftis Mohammad Raschid Qabbani. Derzeit ist er einer der Vertreter des Islams im Direktorium des Wiener KAICIID-Zentrums. Sammek bedauerte, dass sich die neue Sicht der katholischen Kirche auf den Islam, ausgedrückt im Konzilsdokument „Nostra aetate“, „nicht zu den muslimischen Menschen überall auf der Welt, von Marokko bis Indonesien, durchgesprochen" habe. Eigentlich wäre es die Rolle der im Libanon lebenden Muslime gewesen, diese Neuerung aus dem Vatikan unter ihren Glaubensbrüdern zu verbreiten. Nach der historischen Al-Azhar-Konferenz mit Papst Franziskus und Großimam Ahmad al-Tayyeb im Jahr 2016 sei ein weiterer Durchbruch der jüngste Besuch von Kurienkardinal Jean-Louis Tauran in Saudi-Arabien gewesen. Sammak lobte den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi, der auch für eine neue Verfassung mit gleichen Bürgerrechten für Muslime und christliche Kopten lobbyiere: „Sisi arbeitet sogar stärker als die Kairoer Al-Azhar-Universität daran, dass die Rechte der Christen in Oberägypten geschützt werden". „Pro Oriente"-Präsident Marte erinnerte bei der Veranstaltung an Kardinal Franz König, der „Pro Oriente" zur Pflege der Beziehungen mit den Ostkirchen gegründet hatte. Er habe „öffentlich gesagt, der interreligiöse Dialog sei ihm fast wichtiger als der ökumenische". (kap v. 26. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zu einem gemeinsamen Fastenbrechen haben sich Anfang Juni in Jakarta Muslime, Christen und Buddhisten getroffen. Sie wollen damit ein Zeichen für kulturelle und religiöse Vielfalt im Land setzen. Wie die Nachrichtenagentur Fides berichtet, stand das Zusammenkommen der Gläubigen und ihrer Religionsführer im Zeichen der „Pancasila“. Das bedeutet „fünf Prinzipien“ und ist die offizielle Staatsideologie Indonesiens. Man wolle mit dem gemeinsamen Fastenbrechen Solidarität bekunden mit den Opfern des Anschlags von Surabaya im Osten Javas, bei dem mindestens 23 Menschen gestorben sind. Das Attentat geht auf das Konto der Jemaah Ansharut Daulah. Doch der Islam stehe im Einklang mit der Pancasila und respektiere religiöse und kulturelle Vielfalt, erklärte James Smith Carrington, auch bekannt als Ustaz James, Mitglied der Nahdlatul Ulama und des „Majlis Ulama Indonesia“. Das Land erlebe jetzt eine Zeit der Intoleranz. „Jeder glaubt im Recht zu sein, schiebt anderen die Schuld für Missstände in die Schuhe und widerspricht damit auch der Charta von Medina“, einer Erklärung Mohammeds, der darin Anhänger andere Religionen, wie Juden und Christen, willkommen hieß, ihre Religionen frei auf islamischen Boden zu praktizieren. Bei einem anderen interreligiösen Treffen wurde ein ähnlicher Impuls gesetzt: Der Islamwissenschaftler Sumanto al Qurtuby betonte während einer Veranstaltung der Theologischen Fakultät der Jesuiten-Universität „Sanata Dharma“ in Yogyakarta: „Indonesien ist unser aller Zuhause. Wir müssen gemeinsam darauf aufpassen.“ Der erste der fünf Grundsätze der Pancasila lautet: „An einen Gott glauben“: Jeder Indonesier hat demnach das staatlich garantierte Recht, eine Religion seiner Wahl auszuüben. Es geht um Religionsfreiheit. (fides u. vn v. 5. 6.)

     

  • Die Synodalität ist eines der großen Anliegen von Papst Franziskus. Er will das synodale Element in der Kirche stärken und dafür auch Anleihen bei der Orthodoxie nehmen. Die Internationale Theologenkommission hat ein Grundsatzpapier zum Thema Synodalität erstellt. „Synodalität“ ist vom Begriff „Demokratie“ zu unterscheiden. „Es geht vielmehr darum, immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt wird, den Communio-Charakter der Kirche zu wahren“, sagte der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbständigen. […] Die Apostelnachfolger können nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den sogenannten Glaubenssinn der Gläubigen hören. […] Gewiss, man kann die Kirche nicht an einer Stelle versammeln. Es muss Delegierte geben – Delegierte, die ihren Glauben kirchlich leben. […] Die Synodalität von Entscheidungsprozessen in der Kirche ist strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet. Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen. Jeder weiß, dass die Wahrheit oft nur von einer Minderheit verstanden und gelebt wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Wahrheit des Glaubens.“ Und trotzdem: Auch die Synodalität kommt nicht ohne demokratie-ähnliche Elemente aus. „Wenn man in der katholischen Kirche versucht, alle Ebenen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und den von Papst Franziskus immer wieder beschworenen Glaubenssinn der Gläubigen ernst zu nehmen, dann wird man in Zukunft weniger deduktiv als induktiv denken und verfahren. […] Man kann vieles, was Organisation und Struktur in der Kirche betrifft, auch demokratisch regeln. […] Doch wenn es um Glaubensfragen geht, dann entscheiden letztendlich nur die Bischöfe; auch sie nicht einfach durch Mehrheitsbeschluss, sondern in Einheit mit dem vom Papst.“ Das steht in einer Spannung zum Wunsch des Papstes, auch den Bischofskonferenzen eine gewisse lehramtliche Autorität zuzusprechen. Das geht einher mit dem Willen des Papstes zur Dezentralisierung, dass nicht mehr Rom alles und jedes entscheiden muss. (www.domradio.de u. vn v. 26. 5.)

     

  • Papst Franziskus lehnt jeden Versuch ab, in Russland orthodoxe Gläubige für die katholische Kirche abzuwerben. Das sagte er vor einer Delegation des Moskauer Patriarchen Kyrill I., die er am 30. Mai im Vatikan empfing. Der Vatikan gab die Worte des Papstes am 2. Juni zur Veröffentlichung frei. „Ich freue mich, mit euch den Weg der Einheit zu beschreiten“, sagte Franziskus vor der 20-köpfigen Delegation orthodoxer Würdenträger unter Metropolit Hilarion. In Moskau gebe es nur ein einziges Patriarchat, nämlich das der russisch-orthodoxen Kirche. „Wir werden kein weiteres haben“, sagte der Papst. Auch für ihn sei es „schmerzhaft“, wenn „einige katholische Gläubige, seien es Laien, Priester oder Bischöfe, das Banner des Uniatismus tragen“, das heißt, in der orthodoxen Kirche Getaufte für die katholische Kirche abwerben. Uniatismus entspricht bereits seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nicht mehr der römisch-katholischen Theologie. Es sei ein Fehler zu glauben, Ökumene beginne mit einem dogmatischen Abkommen, das alle Streitfragen kläre, und dann könne man gemeinsam vorangehen. Abermals schlug der Papst die umgekehrte Reihenfolge vor: „Die Ökumene geschieht im gemeinsamen Unterwegssein, im Gebet, bei der Heiligenverehrung und den Werken der Nächstenliebe.“ Wann eine Übereinkunft in lehrmäßigen Fragen erzielt werde, sei offen. Gleichzeitig versicherte der Papst der russischen Delegation, dass die katholische Kirche die Eigenständigkeit der russisch-orthodoxen Kirche respektiere: Sie dürfe „sich nicht in die internen Belange der russisch-orthodoxen Kirche einmischen.“ Und das persönliche Gebet füreinander sei wichig, betonte Franziskus, der den Besuchern anvertraute: „Nachdem ich den Patriarchen getroffen habe [2016 in Havanna], hat er mir eine Reliquie des heiligen Seraphim zukommen lassen. Ich habe diese Reliquie auf meinem Nachttisch, und abends, bevor ich ins Bett gehe, und morgens, wenn ich aufstehe, verehre ich sie und bete für unsere Einheit.“ (vn v. 2. 6.: JA v. 17. 6.)

     

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