Für den Theologen Christoph Theobald ist das Pontifikat von Papst Franziskus in mancher Hinsicht „unüberholbar".

Das von Franziskus forcierte synodale Prinzip der katholischen Kirche ist nach Überzeugung des deutschen Professors für Fundamentaltheologie und Dogmatik am Centre Sèvres in Paris „nicht mehr rückgängig zu machen". Die breitere Streuung der Verantwortung zeige sich in oft nur kleinen Gesten des Papstes, die allerdings „Fakten schaffen": Theobald nannte im Interview mit der „Kathpress" die Tatsache, dass Franziskus das Annulierungsrecht in Eheprozessen, welches das Papsttum im 13. Jahrhundert an sich gezogen habe, jüngst „einfach wieder an die Bischöfe zurückgab". Oder: Texte kontinentaler und nationaler Bischofskonferenzen zitiere der Papst in eigenen Enzykliken als lehrmäßige Äußerungen. Dies war 1998 von Johannes Paul II. in seinem Motu proprio „Apostolos suos" praktisch ausgeschlossen worden. Die Bischofssynode dazu anzustoßen, dass die Bischöfe in ihren Zuständigkeitsbereichen selbst synodale Prozesse zu forcieren. Dies wäre, so Theobald, ein weiterer Schritt in Richtung Aufwertung der Ortskirchen bzw. zur Etablierung von Patriarchaten in der Weltkirche. Rom solle als eine Art „Appellhof" fungieren, der im Konfliktfall interveniert. Diese Sichtweise des ersten Jahrtausends würde auch ökumenisch neue Perspektiven eröffnen. Franziskus stehe für eine Haltung, bei der die kirchliche Lehre „pastoral ausbuchstabiert" werden müsse. „Denn eine Lehre, die nicht pastoral ausgerichtet ist, ist Ideologie". Die „Pastoralität" der Lehre ist aber unterschiedlich in Europa, Lateinamerika oder Afrika. Hier stelle sich wiederum die Frage der Ortskirchenrelevanz. sagte Prof. Theobald in einem Vortrag eines internationalen Kongresses, der bis zum 18. Oktober an der Universität Wien stattfand. Führende Theologen aus aller Welt, auch aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika, beleuchteten die Enzyklika „Evangelii gaudium" und die Impulse des Papstes für Kirche und Theologie neuen Stils. (https://www.erzdioezese-wien.at vom 19. 10.; http://www.kathpress.at vom 19. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Im Zeichen der Erinnerung an die vor fünf Jahren in Libyen ermordeten „koptischen Märtyrer“ sind in der oberägyptischen Stadt Samalut ein Denkmal sowie ein Museum eröffnet worden. (JA v. 1. 3.)

     

  • Anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März hat die islamische und römisch-katholische Theologin Shahrzad Houshmand einen Schulterschluss gläubiger Frauen verschiedener Religionen für Gerechtigkeit angeregt. Die Iranerin, die dem Frauenrat des päpstlichen Kulturrates angehört, nahm an einer interreligiösen Frauenveranstaltung in Rom teil – und würdigte dabei die „Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen“ von Abu Dhabi als wegweisend. Shahrzad Houshmand, Vizepräsidentin der Internationalen Vereinigung „Religious for Peace“ in Italien, meinte: „Wenn dann die Frauen des Glaubens sich vereinen, um auf den Schrei der Menschheit zu antworten, ein Schrei um Geschwisterlichkeit und menschliche Werte, dann wird das sicher ein großes Echo haben zugunsten der Menschheit.“ Die doppelte Theologin Houshmand hält die Abu-Dhabi-Erklärung für „orthodox und revolutionär zugleich“: „Es gibt ein enormes gemeinsames Erbe an Werten, wenden wir uns also diesen gemeinsamen Werten zu, die eingeprägt sind im Herzen jedes menschlichen Wesens. Das ist in sich schon eine wichtige Botschaft.“ (vn v. 3. 3.)

     

  • Zum Zeichen der Einheit der Orthodoxie wurde in der serbisch-orthodoxen Mariä Geburt-Kirche in Wien-Neulerchenfeld die Panorthodoxe Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie" gefeiert. Dem Gottesdienst standen Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) vor. Mit ihnen feierten viele orthodoxe Geistliche und Gläubige aus unterschiedlichen Jurisdiktionen, darunter auch der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar und stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Nicolae Dura. Metropolit Arsenios sagte in seinem Schlusswort: „Wir sind eine Kirche. Wenn eine Ortskirche leidet, leidet die ganze Orthodoxie mit." Er hob als Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz die gute Situation der Orthodoxie in Österreich hervor. Das sei auch der „brüderlichen Liebe" der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche zu danken. Dankbar erinnerte der Bischof daran, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2010 beschlossen hatte, die Neulerchenfelder Kirche der serbisch-orthodoxen Kirche zu übergeben. (kap v. 9. 3.)

     

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