Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Der Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, Clemens Leonhard, plädiert für einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: In den derzeitigen Vorschriften für eine Trauung wird z. B. für ältere Leute der Hinweis auf Kinder weggelassen. Sonderregelungen im Segensgebet gibt es ebenso bei Trauungen mit Christen anderer Konfessionen oder Religionen oder sogar für Atheisten. Warum also nicht auch für Homosexuelle, wenn es nur eine Segnung ist, fragt Leonhard. Es geht ja in den Trauungstexten „um das Glück der konkreten Menschen“ und er zitiert: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander verzeihen, einander ertragen, wird deine Treue sichtbar.“ Diesen Satz könnte man doch auf „zwei Frauen oder zwei Männern“ umschreiben. Dem Wunsch der Homosexuellen nach einer Segnung gehört „nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Gerechtigkeit“ entsprochen. (Die Furche v. 2. 1.)

 

Papst Franziskus macht ernst mit seiner Ankündigung, mehr Frauen in vatikanische Führungspositionen zu holen: Erstmals in der Geschichte des Staatssekretariats wird es ab sofort eine Untersekretärin geben. Die italienische Juristin Francesca Di Giovanni ist bereits seit fast 27 Jahren im Staatssekretariat tätig, wo sie für multilaterale Beziehungen zuständig war. In ihrer neuen Aufgabe wird sie nun gemeinsam mit dem bisherigen Untersekretär Mirosław Wachowski die Koordinierung dieses sensiblen Sektors übernehmen. Leiter der Sektion ist der britische Erzbischof Paul Richard Gallagher, der „Außenminister“ des Vatikan. Sie selbst sei durch ihre Ernennung „absolut überrascht“ worden, sagte die neue Untersekretärin im Gespräch mit Vatican News. Dies sei eine innovative Entscheidung, die ein Zeichen der Aufmerksamkeit des Papstes für die Belange der Frauen darstelle. (vn v. 15. 1.; Salzburger Nachrichten v. 16 1.; JA v. 26. 1.)

 

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst hat sich erneut für die Zulassung von Frauen zur Diakonatsweihe ausgesprochen. Er hat das in den vergangenen Jahren schon mehrmals als „Zeichen der Zeit bezeichnet“, sagte er in einem Interview des Magazins „stadt gottes“: „Beim bevorstehenden Synodalen Weg möchte ich mich daher für die Diakoninnenweihe einsetzen. Alle müssen aber wissen, dass dies eine weltkirchliche Frage ist.“ Die vier Schwerpunktthemen im „Synodalen Weg“ sind: die Rolle der Frau in der Kirche, Macht und Gewaltenteilung, Sexualmoral sowie die Lebensform der Priester. Papst Franziskus hatte 2016 eine Kommission zur Untersuchung der Geschichte des Frauendiakonats eingesetzt. Das Ergebnis sei aber „kein großer Wurf“ gewesen, sagte Franziskus und kündigte am Ende der Amazonas-Synode im Oktober an, er wolle die Kommission neu aufstellen. (kna u. stadt gottes u. vn v. 25. 1.)

 

Der Vatikan will Priester, die Kinder haben, mit mehr Fingerspitzengefühl behandeln: Nicht in jedem Fall sollen die Betroffenen vom Priesteramt suspendiert werden. Bei der Abwägung soll es vor allem um das Wohl der Kinder gehen. Das geht aus einer E-Mail der Klerus-Kongregation an den Betroffenenverband „Coping International“ hervor. Der Verband hatte die Kongregation mit Äußerungen ihres Präfekten Kardinal Beniamino Stella in der Vatikanzeitung konfrontiert, in dem eine neue Sicht angedeutet wurde: Demnach sollen Priester, die das Alter von vierzig Jahren noch nicht erreicht haben, aus dem Priesterstand entlassen werden, um sich voll um ihre Kinder zu kümmern. Dabei gehe es nicht nur um die materielle Versorgung des Kindes, sondern auch die „verantwortungsvolle Ausübung der Elternfürsorge“. Allerdings soll ein Priester nicht in jedem Fall suspendiert werden und zwar etwa dann, wenn sein Kind in eine stabile Familie kommt, in der ein Anderer die Vaterrolle einnimmt. Und es gilt auch dann, wenn die Vaterschaft eines Priesters erst bekannt wird, wenn seine Kinder bereits erwachsen sind. Dann liegt es am Bischof, eine Einzelentscheidung zu treffen. „Das Dikasterium rät zu flexiblen Unterscheidungen innerhalb der Richtlinien“, so Kardinal Stella in dem Interview. (katholisch.de u. vn v. 28. 1.)

 

Der Skandal des sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche erfordert ein ganzes Bündel an Reformen: angefangen von der Schaffung einer unabhängigen Gerichtsbarkeit und der Gewaltentrennung in der Kirche über eine Reform der Priesterausbildung bis hin zur Ausbildung einer Präventionskultur in Gemeinden. Das haben Theologen und Missbrauchsexperten zum Ende der Ringvorlesung „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen“ an der Universität Wien unterstrichen. Bei der Abschlussveranstaltung der 14-teiligen Ringvorlesung diskutierten der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock, der Jesuit Andreas Batlogg, der Therapeut Erich Lehner und die Leiterin der Präventionsstelle der Erzdiözese Wien, Martina Greiner-Lebenbauer. Einig zeigten sich die DiskutantInnen darin, dass die kirchliche Machtkonzentration in einer Hand - also Legislative, Judikative und Exekutive in der Hand des jeweiligen Bischofs bzw. Papstes - ein Grundproblem darstelle. Gewaltenteilung und eine unabhängige Gerichtsbarkeit wären gerade angesichts der Missbrauchskrise wichtige Reformschritte, betonte etwa Dekan Pock. Andreas Batlogg erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Sequenz aus dem Gespräch zwischen Kardinal Christoph Schönborn und der ehemaligen Ordensfrau Doris Wagner. In dem aufsehenerregenden Dialog, der zuletzt als Buch erschienen ist, hatte Schönborn u.a. eingeräumt, dass ihn die Tatsache „existenziell sehr belastet“, dass er als Bischof gleichermaßen Hirte und Richter sei. Eine solche Gewaltenteilung sei notwendig und sinnvoll, „sonst kontrolliert sich das System selbst“, so Batlogg. Klaren Nachbesserungsbedarf orteten die DiskutantInnen auch im Blick auf die Ausbildung von Priestern und pastoralen Mitarbeitern. In dem Zusammenhang wurde gerade das Leben im Priesterseminar als problematisch erachtet, da die Seminare die Gefahren „geschlossener Systeme“ mit sich brächten, so Pock. Diese reichten von der Entstehung von „Sonderwelten" über Hierarchie-Abhängigkeiten bis zur Pflege eines „elitären Bewusstseins“ und schließlich eines „überhöhten Priesterbildes“. Der Therapeut Erich Lehner plädierte in dem Zusammenhang für eine „Entsakralisierung und Demokratisierung des Priesters“. Jede Form geschlossener Systeme - sei es ein Seminar, eine religiöse Gemeinschaft oder eine Familie - stehe in der Gefahr, den Missbrauch zu befördern, wenn darin überhöhte Rollenbilder und hierarchische Strukturen zusammenkommen. Die Etablierung einer umfassenden Feedback-Kultur auch in den Priesterseminaren regte die Leiterin der Stabsstelle für Missbrauchs- und Gewaltprävention, Kinder- und Jugendschutz der Erzdiözese Wien, Martina Greiner-Lebenbauer, an. (kap u. vn v. 28. 1.; JA v. 9. 2.)

 

Vertreter der vier großen österreichischen kirchen-reformorientierten Organisationen – Pfarrer-Initiative, Plattform „Wir sind Kirche“, Priester ohne Amt und Laien-Initiative – haben eine Charta für Grundrechte in der Kirche vorgelegt. Die Kirche entspreche nämlich einer „absoluten Monarchie“ sagten sie in einer Pressekonferenz. Derartige Machtstrukturen förderten Phänomene wie z. B. den Missbrauch. „Das Kirchenrecht schützt die Institution und nicht den Einzelnen“, wie Martha Heizer von „Wir sind Kirche“ hervorhob. Es sei eine Ordnung, in der nicht daran gedacht wird, den Mitgliedern Rechte einzuräumen, betonte Helmut Schüller von der Pfarrer-Initiative. Dabei gebe es einen „Schatz in den Gemeinden“ an Talenten und Fähigkeiten der „Taufgeweihten“, den es zu heben gelte. Dem stünden aber zwei Schranken entgegen, nämlich einerseits der Zölibat und andererseits das Geschlecht. Diesbezüglich richte sich die Hoffnung auf das nachsynodale Papstschreiben zur Amazonas-Synode. Offenbar gebe es aber Widerstände in Rom, konstatierte der stellvertretende Vorsitzende der Laien-Initiative, Peter Pawlowsky. Konservative Kreise würden nicht einsehen, dass etwas in Amazonien erlaubt wird, was in der restlichen Welt verboten ist. Herbert Bartl, Sprecher von „Priester ohne Amt“, beklagte, hinsichtlich des Zölibats sei es bisher kaum gelungen, mit den Bischöfen ins Gespräch zu kommen und ortete beim Umgang des Vatikans mit Homosexualität eine „Doppelmoral“. Das Kirchenrecht behindere alle Reformansätze, kritisierte Matthias Jakubec von „Wir sind Kirche“. Daher habe man eine Charta verfasst, die die Umsetzung grundlegender Menschenrechte in der römisch-katholischen Kirche ermöglichen soll. Diese 15 Punkte wie „Vorrang des Gewissens“, „Recht auf Gleichheit“ oder das Recht auf einen fairen Prozess würden Änderungen der Kirchenordnung erfordern. Bei der Nachfolgesuche für den Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn wünschte sich Schüller mehr Beteiligung der „Taufgeweihten“. (APA v. 29. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Im Zeichen der Erinnerung an die vor fünf Jahren in Libyen ermordeten „koptischen Märtyrer“ sind in der oberägyptischen Stadt Samalut ein Denkmal sowie ein Museum eröffnet worden. (JA v. 1. 3.)

     

  • Anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März hat die islamische und römisch-katholische Theologin Shahrzad Houshmand einen Schulterschluss gläubiger Frauen verschiedener Religionen für Gerechtigkeit angeregt. Die Iranerin, die dem Frauenrat des päpstlichen Kulturrates angehört, nahm an einer interreligiösen Frauenveranstaltung in Rom teil – und würdigte dabei die „Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen“ von Abu Dhabi als wegweisend. Shahrzad Houshmand, Vizepräsidentin der Internationalen Vereinigung „Religious for Peace“ in Italien, meinte: „Wenn dann die Frauen des Glaubens sich vereinen, um auf den Schrei der Menschheit zu antworten, ein Schrei um Geschwisterlichkeit und menschliche Werte, dann wird das sicher ein großes Echo haben zugunsten der Menschheit.“ Die doppelte Theologin Houshmand hält die Abu-Dhabi-Erklärung für „orthodox und revolutionär zugleich“: „Es gibt ein enormes gemeinsames Erbe an Werten, wenden wir uns also diesen gemeinsamen Werten zu, die eingeprägt sind im Herzen jedes menschlichen Wesens. Das ist in sich schon eine wichtige Botschaft.“ (vn v. 3. 3.)

     

  • Zum Zeichen der Einheit der Orthodoxie wurde in der serbisch-orthodoxen Mariä Geburt-Kirche in Wien-Neulerchenfeld die Panorthodoxe Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie" gefeiert. Dem Gottesdienst standen Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) vor. Mit ihnen feierten viele orthodoxe Geistliche und Gläubige aus unterschiedlichen Jurisdiktionen, darunter auch der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar und stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Nicolae Dura. Metropolit Arsenios sagte in seinem Schlusswort: „Wir sind eine Kirche. Wenn eine Ortskirche leidet, leidet die ganze Orthodoxie mit." Er hob als Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz die gute Situation der Orthodoxie in Österreich hervor. Das sei auch der „brüderlichen Liebe" der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche zu danken. Dankbar erinnerte der Bischof daran, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2010 beschlossen hatte, die Neulerchenfelder Kirche der serbisch-orthodoxen Kirche zu übergeben. (kap v. 9. 3.)

     

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