Laut töne die Trompete von Jericho!

20.10.2023; von Martha Heizer

Unsere Preisverleihung hat immer etwas sehr Berührendes. Die drei bisherigen Ausgezeichneten haben viel Kummer und Leid hinter sich, haben vieles in Kauf genommen, um gegen Unrecht und Ungerechtigkeit in unserer Kirche aufzustehen. Da bleiben die Anwesenden nicht nur kognitiv interessiert, viele empfinden Mitgefühl mit den Preisträgern/der Preisträgerin, aber auch Wut, Entsetzen, zumindest Bedauern für unsere Kirche – und zugleich Bewunderung, große Anerkennung und Freude über so viel Mut.

So war es auch heuer. Jens Ehebrecht-Zumsande ist homosexuell und kirchlich angestellt. Eine Kombination, die bis vor kurzem gefährlich war, weil durch das kirchliche Arbeitsrecht allen Menschen, die nicht in die offizielle kirchliche Vorgabe von Heterosexualität passen, jederzeit gekündigt werden konnte. Jens erzählte – eigentlich nur in Nebensätzen und am Buffet -, was das für ihn bedeutete: nicht sein zu sollen, was man ist, wie man ist. Sich mit der eigenen sexuellen Identität verstecken zu müssen und dabei immer wieder zu hören, dass die eigene Orientierung sündhaft sei.

„Der Papst kann Sünde nicht segnen!“ war der Ausspruch eines hohen kirchlichen Würdenträgers (welche Würde?) zum Thema Segnung homosexueller Paare. Man kann mit diesem Leid sehr unterschiedlich umgehen. Viele kehren der offiziellen Kirche den Rücken. Jens aber reagierte ganz anders: er outete sich als homosexuell und bewegte weitere 150 homosexuelle Menschen, die in der Kirche und für die Kirche arbeiten, dies ebenfalls zu tun. Damit entstand eine bewegende Fernsehdokumentation, die über viele Sender ausgestrahlt wurde und viele Menschen zum Umdenken veranlasste. Das kirchliche Arbeitsrecht wurde tatsächlich geändert!

Welche Zivilcourage! Welche menschliche Stärke!
So war auch heuer die Stimmung bei der Preisverleihung wieder eine sehr hoffnungsvolle. In unseren Reihen, auch innerhalb der katholischen Kirche gibt es mutige, dem Evangelium verpflichtete Menschen, die sich nicht unter eine Obrigkeit ducken, die sie nicht mehr verstehen. Die selbstbewusst und vertrauensvoll ihre Angst überwinden und lautstark verkünden, was sie unter Nachfolge Jesu verstehen.
Die vier Reformgruppen Österreichs, also KIRCHENREFORM.AT, freuen sich sehr, mit diesem Preis ihre Dankbarkeit und ihre Bewunderung zum Ausdruck bringen zu können.

LAUT TÖNE DIE TROMPETE VON JERICHO!

SIE BRINGE ALTE MAUERN ZUM EINSTURZ!