Zum Segens-Verbot des Vatikan für gleichgeschlechtliche Paare.

Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

 

Im deutschen Sprachraum regt sich weiterhin Unmut über das Segens-Verbot des Vatikan für gleichgeschlechtliche Paare. Etwa 200 Theologie-ProfessorInnen der „Arbeitsgemeinschaft Katholische Dogmatik und Fundamentaltheologie“ haben eine Stellungnahme unterschrieben, die dem Text der Glaubenskongregation einen „Mangel an theologischer Tiefe, an hermeneutischem Verständnis sowie an argumentativer Stringenz“ vorwirft. Mehr als 2.000 Priester in Österreich und Deutschland haben erklärt, sie wollten auch künftig gleichgeschlechtlichen Paare ihren Segen spenden. (katholisch.de u. vn v. 22. 3.)

 

In der Debatte um das „Nein" der vatikanischen Glaubenskongregation zu Segnungen homosexueller Partnerschaften haben sich der Wiener Kardinal Christoph Schönborn und nochmals der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, kritisch geäußert. „Ich kann das Unverständnis verstehen und teile es ausdrücklich“, sagte Bätzing in einem Interview der Diözese Limburg. Es brauche eine Neubewertung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral. Im Interview mit Kathpress zeigte sich Schönborn „nicht glücklich“ über das Dokument. Er verstehe, dass sich viele Menschen von der Erklärung verletzt fühlen. In der Öffentlichkeit wahrgenommen werde nur ein „Nein“ zum Segen; „und das ist etwas, was viele Menschen zuinnerst verletzt.“ Dass hinter der Erklärung auch ein positives Anliegen mit Blick auf die sakramentale Ehe liege, sei untergegangen. Denn es gehe der Glaubenskongregation um die „hohe Wertschätzung der sakramentalen Ehe […] die in der heutigen Welt fast schon eine Seltenheit geworden ist“. Aber dieses „Ja“ zur Familie und Ehe soll man nicht in einem „Nein“ zu allen anderen Formen sagen, so Schönborn. (kap v. 24. 3.)

 

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wünscht sich von der römisch-katholischen Kirche mehr Achtsamkeit in der Sprache und im Umgang mit homosexuellen Menschen. Die jüngste Erklärung der Glaubenskongregation, die Kirche könne keine homosexuellen Paare segnen, habe „offenkundig viele Menschen tief verletzt“, erklärte der Präsident von Pax Christi Deutschland in einer Stellungnahme. Gewaltfreie Kommunikation zeichne sich durch Empathie, Respekt, Achtsamkeit und Wohlwollen für die andere Person aus.. Viele Menschen empfänden „die Sprache des Lehramts als nicht ,gewaltfrei´“. Homosexuelle Menschen erlebten es als gewaltsam, „dass ihre Neigung und ihre Lebensgestaltung ausschließlich in einer Kategorie beschrieben“ werde. Die Benennung ihrer Lebensform als „sündhaft“ beschäme sie, und es sei „für sie keine Kleinigkeit, wenn dies alles mit dem Hinweis auf den Willen Gottes“ geschehe. „Wenn kirchliche Lehre als ,gewaltsam´ erfahren wird, darf ich als Bischof nicht schweigen“, erklärte Kohlgraf. Inzwischen gebe es auf die Erklärung der Glaubenskongregation Widerstand von Bischöfen, nicht nur aus Deutschland. Z. B. der Theologe Martin Kirschner, Leiter des „Zentrums Kirche, Religion, Gesellschaft im Wandel“ an der Katholischen Universität Eichstätt, sieht das „Nein“ der Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare als Beschleuniger einer schon lange laufenden innerkirchlichen Diskussion. „Mit ihrer Antwort hat die Glaubenskongregation die Debatte nicht beendet, sondern gerade losgetreten“, so Kirschner in einer Aussendung. Darin liege auch „die Chance für die Erneuerung von Kirche und Glauben“. (vn v. 30. 3.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zum vom Vatikan ausgesprochenen Segnungsverbot für Homosexuelle haben Vertreter der römisch-katholischen Kirche eine Unterschriftenliste von 200 Menschen an Bischof Helmut Dieser und Birgit Mock übergeben, den beiden Vorsitzenden des Synodal-Forums „Sexualität und Partnerschaft“. „Wir verbinden damit die Erwartung, dass gleichgeschlechtliche liebende Paare künftig nicht nur die Möglichkeit einer kirchlichen Segnung erhalten, sondern volle Anerkennung erfahren", sagte der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose bei der Übergabe im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Unter den Unterstützern sind Priester, Ordensleute, Theologen, Seelsorger sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten. Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit, weiterhin homosexuelle Paare zu segnen. (sz.de v. 28. 3.)

     

  • Paul Jacques Marie Desfarges, der Erzbischof von Algier, hat die Geschwisterlichkeit am Osterfest betont und sieht darin eine Chance für den interreligiösen Dialog. In einem Brief an seine Diözese stellt er eine Verbindung zwischen Ostern und der Irak-Reise des Papstes im März 2021 her: Jesus Christus habe sich allen „zum Bruder gemacht“, Gott selbst sei „unser geschwisterliches Band mit allen Menschen“. Der Papst habe bei seiner Irak-Reise auf diese Bedeutung der Geschwisterlichkeit in Ur, der Ursprungsstadt Abrahams, hingewiesen, „indem er zu seinen Brüdern der verschiedenen muslimischen Konfessionen, der großen schiitischen und sunnitischen Traditionen und der verschiedenen Minderheiten, der Jesiden, Mazdäer, Sabäer und anderen“ gegangen sei. Desfrages wies darauf hin, dass dies auch die Berufung der algerischen Kirche sei. Ein besonderer Moment, um diese Geschwisterlichkeit zu leben, sei der Fastenmonat Ramadan (13. 4. – 12. 5.): „Diese Zeit der spirituellen Erneuerung für unsere muslimischen Brüder und Schwestern ist eine Gelegenheit, uns mit unseren Herzen mit ihren Gebeten zu verbinden.“ (vn v. 3. 4.)

     

  • Zum ersten Mal seit 1983 ändert ein Papst das kirchliche Gesetzbuch „Codex Iuris Canonici“ (CIC) substantiell. [P. W.: 1983 bis 2017 gab es nur unwesentliche Änderungen.]: Um den Frauen die Möglichkeit zu geben, als Lektorinnen oder Akolythinnen im Altarraum einen offiziellen Dienst zu tun, streicht Papst Franziskus ein Wort, und zwar: „männlich“: Somit beginnt der Satz in CIC c. 1024 jetzt nur mehr mit „Laien, die das Alter und die Begabung haben…“  [P. W.: Es gäbe noch zahlreiche Stellen des CIC, wo „männlich“ bzw. „Mann“ gestrichen werden sollte!] (Wir-sind-Kirche-Zeitung Nr. 109/2021)

     

  • Die Schweizer Kirchen starten ab Ostern mit einer neuen Initiative: Auf www.lichtschenken.ch kann man virtuell Lichter anzünden und so ein Lichtermeer der Solidarität bilden. Ökumenisch gemeinsam veröffentlichen die evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Christkatholische Kirche der Schweiz, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz dafür eine dreisprachige Gedenkseite. Die Pressesprecherin der SBK, Encarnación Berger-Lobato, dazu im Gespräch mit Radio Vatikan: Wegen Corona „war es der SBK und anderen christlichen Kirchen wichtig, eine ökumenische Solidaritätsaktion zu starten und so ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung zu setzen. […] Diese Kerzen werden uns vom Karsamstag bis zum Pfingstmontag begleiten und uns immer wieder daran erinnern, dass Jesus Christus das Licht in unserem Leben ist und dass nicht der Tod die Pandemie besiegen wird, sondern das Leben und die Hoffnung.“ Was von vornherein klar war: Es sollte ein ökumenisches Projekt sein. Für Rita Famos, Präsidentin der EKS, ist es wichtig, das Osterlicht, das das Leben symbolisiert, weiterzugeben. „Lichtschenken.ch wird eine ganz andere Art von Corona-Demonstration sein: Eine Demonstration unseres Zusammenhalts und unserer Zuversicht.“ (vn v. 3. 4.)

     

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