Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Kirche in Syrien alles dafür tun werde, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Für die Christen in Syrien hat 2020 mit einer Friedensmesse begonnen. Die Kirche sei überall präsent, auch dort, wo die Sunniten bewusst alles zerstört hätten. „In Aleppo haben die Menschen die wahre Haltung der Kirche entdeckt und zwar jene der Nächstenliebe. Es geht um die Hilfe für die Armen, es geht um den Respekt gegenüber Menschen. Das ist der Dialog des Lebens. Das ist das Schöne hier, trotz des Krieges. Die Christen haben diese Berufung und zwar mit einer Dynamik der Einheit. […] Wir müssen diese Dynamik der Einheit schaffen, was viel Kraft, spiritueller Glaube und Hoffnung bedarf.“ (vn v. 3. 1.)

 

Der ägyptische Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi hat auch in diesem Jahr am 6. Januar an der Liturgie zum koptischen Weihnachtsabend teilgenommen. Patriarch Tawadros II. zelebrierte die Liturgie in der neuerbauten Geburt Christi-Kathedrale in der künftigen administrativen Hauptstadt Neu-Kairo. In einer Ansprache sagte al-Sisi: „Solange wir einig sind, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass auch Ägypten so wie andere nahöstliche Staaten in den Abgrund einer verheerenden Krise gezogen wird“. Mit al-Sisi waren auch zahlreiche Regierungsmitglieder anwesend. Die ägyptische Regierung hat finanziell zur Erbauung der neuen Kathedrale beigetragen, die von al-Sisi als „Botschaft an Ägypten und an die ganze Welt“ bezeichnet wird. Zugleich mit der Kathedrale entstand in Neu-Kairo auch die größte Moschee des Landes, um mit den beiden Gotteshäusern das Miteinander und die Einheit der Nation zum Ausdruck zu bringen. (vn v. 7. 1.)

 

Bei einem Besuch in Damaskus hat der russische Präsident Vladimir Putin gemeinsam mit dem syrischen Präsidenten Bashar al Assad die griechisch-orthodoxe Kathedrale der Hauptstadt besucht. Dort wurden die beiden Politiker von Johannes X. Jasidschi, dem orthodoxen Patriarchen der Kirche von Antiochien begrüßt. Als Gastgeschenk überreichte Putin eine Marien-Ikone. (fides u. vn v. 9. 1.)

 

Nicht nur einen „Tag des Judentums", sondern einen „Sonntag des Judentums": Das wünscht sich der Wiener Pfarrer und Dechant Ferenc Simon, Beauftragter für jüdisch-christliche Zusammenarbeit. Durch einen eigenen „Sonntag des Judentums“ soll die Verbindung des Christentums mit dem Judentum noch stärker hervorgehoben werden, sagte er der Zeitung „Der Sonntag“. Er verwies darauf, dass die evangelische Kirche schon seit Jahren einen „Israel-Sonntag“ begeht. Zum Antisemitismus hielt der Dechant fest: „Wer antisemitische Aussagen macht, ist kein Katholik." (kap u. vn v. 11. 1.)

 

Das jüdische Ritual der Beschneidung ist wichtig auch für unser Gottesbild, sagte Christian Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten, im Interview mit der Nachrichtenagentur kath.ch. Er fordert eine Aufwertung des Festes der Beschneidung des Herrn. Mit dem Akt der Beschneidung trete Jesus in den Bund mit dem Volk Israel ein. Für die Christen gehe es dabei auch um die Bedeutung von Weihnachten, „darum, dass Gott ganz konkret Mensch wird“. Rutishauser wünscht sich ein klares Bekenntnis zu den „jüdischen Wurzeln in der Liturgie“ und sieht darin auch das Potenzial, Antisemitismus entgegenzuwirken: „Beschneidung wird heutzutage oft als etwas Archaisches, Zurückgewandtes, Fremdes wahrgenommen. Antijudaismus bekämpfen heißt nicht das Jüdische des Christentums zu verdrängen, sondern es positiv anzunehmen.“ Christian Rutishauser gehört zu den Beratern des Papstes für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum. (kath.ch u. vn v. 11. 1.)

Im Sudan konnten Christen zum ersten Mal seit Jahren wieder öffentlich Weihnachten feiern. Landesweit kündigten Kirchenglocken Gottesdienste an, nachdem die Übergangsregierung den ersten Weihnachtstag zum Feiertag erklärt hatte. In der Hauptstadt Khartum zogen die Bewohner laut Medienberichten in einem „Marsch für Jesus“ durch die Straßen. (JA v. 12. 1.)

 

Die Lehrpläne der Hochschulen in Pakistan fördern noch immer eine Diskriminierung von Nichtmuslimen, heißt es in der Studie „Bildung und Religionsfreiheit: eine Faktensammlung“ der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) der römisch-katholischen Bischofskonferenz von Pakistan. Der Oberste Gerichtshof Pakistans hatte die Regierung im Juni 2014 angewiesen, einen Nationalrat zur Förderung der Rechte von Minderheiten einzurichten. Der Gerichtshof wies die Provinzregierungen an, Gremien zur Förderung religiöser Toleranz zu bilden, zur Entwicklung angemessener Lehrpläne für Schulen und Universitäten sowie für den Kampf gegen Hassreden. Die Anordnungen des Gerichts seien bisher aber noch immer nicht umgesetzt worden, kritisierte Cecil Chaudhry, Exekutivdirektor der NCJP. (JA v. 12. 1.)

 

Am 17. Januar begehen einige Länder, darunter auch Österreich, den Tag des Judentums. Wie es im liturgischen Direktorium heißt, soll dieser Tag „zum bußfertigen Gedenken an die jahrhundertelange Geschichte der Vorurteile und Feindseligkeiten zwischen Christen und Juden und zur Entwicklung und Vertiefung des religiösen christlich-jüdischen Gesprächs“ dienen. Es soll auch an die jüdischen Wurzeln des Christentums gedacht und der Dialog durch gemeinsame Initiativen zwischen Christen und Juden gefördert werden. Papst Franziskus wird eine Delegation des „Simon-Wiesenthal-Centers“ empfangen. Den größeren Kontext stellt heuer der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau dar. Am 15. Jänner empfing der Papst eine Delegation der „Abrahamic Faith Initiative“ – Juden, Christen und Moslems – und machte ihnen Mut, kreativ zu sein, was die Umsetzung gemeinsamer Werte und den Einsatz für den Religionsfrieden betrifft. Die Vertreter aller drei abrahamitischer Religionen versprachen bei dieser Gelegenheit, für Gerechtigkeit und Frieden zusammenarbeiten zu wollen. Sie warnten davor, Religion politisch zu instrumentalisieren und erteilten jeder Form von Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen eine Absage. (vn v. 17. 1.)

 

Henryk Muszyński, Alterzbischof von Gnesen, erhielt in Polen die „Menora des Dialogs". Verliehen wurde der Preis am „Tag des Judentums“, der den Dialog zwischen Juden und Christen fördern soll. Bei der Verleihung erinnerte Muszyński an Papst Johannes Paul II. Er sei „der Schutzpatron des Dialogs zwischen Katholiken und Juden in Polen, ein Förderer des Dialogs, der sich jetzt weiter entwickeln muss“. (vn v. 17. 1.)

 

Der Generalsekretär der Islamischen Weltliga (MIL) und ehemalige saudi-arabische Justizminister, Mohammad Abdulkarim al Issa, setzt sich dafür ein, das Management der Moschee im Genfer Vorort Petit-Sacconex an Schweizer Muslime zu übertragen. Es sei an der Zeit, die Genfer Moschee einem schweizerischen Verwaltungsrat mit einem gewählten Präsidenten anzuvertrauen, sagte al Issa in einem Interview mit der Sonntagszeitung „Matin Dimanche“. Die Moschee hat eine lange Tradition: Der saudische König Khaled bin Abdulaziz hatte das von Saudi-Arabien finanzierte Gebäude 1978 eingeweiht. Beiträge von Gläubigen und private Spenden sollten künftig helfen, das Budget zu decken. Die Entscheidung betreffe nicht nur Genf, sondern weltweit würden ähnliche Vorkehrungen getroffen. Ende 2017 wurden vier Mitarbeiter der Moschee, die alle auf der Gefährder-Liste in Frankreich stehen, entlassen und das Management ausgewechselt. Al Issa hatte daraufhin erklärt, dass er gegen alle extremistischen Ideen kämpfen wolle. Die Islamische Kulturstiftung, die mit der MIL verbunden ist, werde sich als eigenständige Einheit dem interreligiösen Dialog in der Schweiz und weltweit widmen. (kath.ch u. vn v. 19. 1.; Die Furche v. 30. 1.)

 

Der irakische Präsident und Kurde Barham Salih war am 25. Jänner zu Gesprächen mit dem Papst im Vatikan. „Herzlich“ seien die Gespräche verlaufen und die „guten Beziehungen“ seien gelobt worden, so der vatikanische Pressdienst. Mit Blick auf die „aktuellen Herausforderungen“ für den Irak, der seit Monaten von Massenprotesten erschüttert wird, vermerkt das Statement, es sei wichtig, „die Stabilität und den Prozess des Wiederaufbaus zu fördern“. Lösungen müssten per Dialog gesucht werden, den Bürgern zugutekommen und die „nationale Souveränität respektieren“. Papst und Präsident sprachen auch für die „historische Präsenz der Christen im Irak“ aus, die es zu bewahren gelte. Schließlich tragen gerade die Christen einiges zum „sozialen Gewebe“ des Landes bei. (vn v. 25. 1.)

 

Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, hat den Dialog zwischen Juden und Christen in den vergangenen Jahrzehnten als eine „Erfolgsstory“ bezeichnet. Das gelte insbesondere für das Gespräch mit der römisch-katholischen Kirche, schreibt der Moskauer Oberrabbiner in der „Jüdischen Allgemeinen“. Nach „Jahrhunderten des Misstrauens“ sei „das gegenseitige Vertrauen enorm angewachsen. […] Freundschaftliche Beziehungen wurden aufgebaut auf allen Ebenen.“ Auch im Dialog mit Verantwortlichen der Muslime seien „große Fortschritte“ erzielt worden. „Wir sind im Gespräch - und das von Angesicht zu Angesicht“, so Goldschmidt. (JA v. 26. 1.)

 

Der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Moschee, Ahmad Mohammad al-Tayyeb, hat zur Zusammenarbeit religiöser Institutionen für einen gemäßigten Diskurs und gegen Extremismus aufgerufen. Dieser Brückenbau sei für die Menschheit dringend notwendig, sagte er laut arabischen Medienberichten bei einem Treffen mit dem neuen päpstlichen Nuntius in Ägypten, Erzbischof Nicolas Thevenin. Der Vatikan und die sunnitische Lehrinstitution Al-Azhar stünden vor denselben Problemen und teilten dieselben Sorgen, so der Scheich. Daher müsse eine allgemeine Strategie definiert werden, bei der Menschlichkeit an oberster Stelle stehe. Religiöse und wissenschaftliche Institutionen müssten gemeinsam die Stimme von Religion, Weisheit und Brüderlichkeit unter den Menschen erheben. Erzbischof Thevenin lobte die gemeinsamen Anstrengungen von Al-Tayyeb für eine Kultur des Dialogs und den Einsatz für ein friedliches Zusammenleben. Ferner verwies er auf die herausragende Rolle von Religionswissenschaftlern bei der Verbreitung von religiöser Toleranz und im Kampf gegen Extremismus. Unterdessen läuft an der Al-Azhar eine internationale Konferenz, bei der die Erneuerung islamischen Denkens im Zentrum steht. Ranghohe Islam-Vertreter aus 46 Ländern tagen dabei unter der Schirmherrschaft von Präsident Abdel Fattah al-Sisi unter anderem zur Frage der Toleranz im Islam und dem Vorgehen gegen Extremismus. An der Konferenz nehmen neben Al-Sisi und Großimam Al-Tayyeb auch Vertreter des ägyptischen Ministeriums für religiöse Stiftungen (Awqaf) sowie der ägyptischen Fatwa-Behörde teil. Die Al-Azhar-Universität zählt zu den wichtigsten Lehrautoritäten des sunnitischen Islam. (kna v. 27 1.)

 

Paul Hinder, der Apostolische Vikar für Südarabien, hat am 27. Jänner die St. Mary's High-School in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) eingeweiht. Die Schule soll offen sein für Schüler verschiedener Nationalitäten und Religionen und müsse ein Ort der „Toleranz und des Respekts" sein, so der Schweizer Kapuzinerpater in der Eröffnungsrede. Hinder forderte die Lehrkräfte auf, die Schüler darauf vorzubereiten, „Weltenbürger“ zu sein und „wirksame Beiträge zur Begegnung zwischen Kulturen und Traditionen" zu leisten. In diesem Kontext erinnerte er an das Dokument über die menschliche Brüderlichkeit, das Papst Franziskus und Großimam Al-Tayyeb im vergangenen Februar in Abu Dhabi unterzeichnet haben. (asia news u. vn v. 29. 1)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Kirche in Syrien alles dafür tun werde, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Für die Christen in Syrien hat 2020 mit einer Friedensmesse begonnen. Die Kirche sei überall präsent, auch dort, wo die Sunniten bewusst alles zerstört hätten. „In Aleppo haben die Menschen die wahre Haltung der Kirche entdeckt und zwar jene der Nächstenliebe. Es geht um die Hilfe für die Armen, es geht um den Respekt gegenüber Menschen. Das ist der Dialog des Lebens. Das ist das Schöne hier, trotz des Krieges. Die Christen haben diese Berufung und zwar mit einer Dynamik der Einheit. […] Wir müssen diese Dynamik der Einheit schaffen, was viel Kraft, spiritueller Glaube und Hoffnung bedarf.“ (vn v. 3. 1.)

     

  • Der Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, Clemens Leonhard, plädiert für einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: In den derzeitigen Vorschriften für eine Trauung wird z. B. für ältere Leute der Hinweis auf Kinder weggelassen. Sonderregelungen im Segensgebet gibt es ebenso bei Trauungen mit Christen anderer Konfessionen oder Religionen oder sogar für Atheisten. Warum also nicht auch für Homosexuelle, wenn es nur eine Segnung ist, fragt Leonhard. Es geht ja in den Trauungstexten „um das Glück der konkreten Menschen“ und er zitiert: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander verzeihen, einander ertragen, wird deine Treue sichtbar.“ Diesen Satz könnte man doch auf „zwei Frauen oder zwei Männern“ umschreiben. Dem Wunsch der Homosexuellen nach einer Segnung gehört „nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Gerechtigkeit“ entsprochen. (Die Furche v. 2. 1.)

     

  • Beim Angelus-Gebet zum Hochfest Epiphanie (6. Jänner) hat Papst Franziskus den Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen gratuliert. „Für sie und ihre Gemeinden wünschen wir das Licht und den Frieden von Christus, dem Retter“, sagte er beim Mittagsgebet vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er lud die Anwesenden zu einem Applaus für die ostkirchlichen Getauften ein, die ihr Weihnachtsfest am 7. Januar feiern.  (vn v. 6. 1.)

     

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