Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann ist als erster Katholik mit der Martin-Luther-Medaille geehrt worden.

Für ihn gab es gar keine andere Möglichkeit, im Land der Reformation, wo bis heute beide Kirchen etwa gleich stark sind, eine gute Nachbarschaft zu pflegen und sich gemeinsam in der Öffentlichkeit zu engagieren. Für diesen Mut bekommt Lehmann jetzt, kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt des Bischofs von Mainz und vor seinem 80. Geburtstag, als erster Katholik die Martin-Luther-Medaille. Schon 1986, sieben Jahre vor seiner Berufung als Bischof, übernahm er in der römisch-katholischen Kirche Verantwortung für die Ökumene. Er hat dafür gekämpft, dass Protestanten und Katholiken einander verstanden, nachdem sie sich vier Jahrhunderte lang bekämpften, verachteten und demütigten. Vor 30 Jahren sorgte er in einer gemeinsamen Kommission dafür, dass beide Kirchen offiziell die gegenseitigen Verdammungen früherer Zeiten bedauern. Die Verständigung, an der er arbeitete, brachte Katholiken und Protestanten von der Kirchenspitze bis zur Dorfgemeinde zusammen. 1999 feierten Katholiken und Protestanten noch einmal eine epochale Verständigung. Am 31. Oktober, dem Reformationstag, verabschiedeten der Vatikan und der Lutherische Weltbund in Augsburg eine „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, dem Herzstück der Reformation. Sie hatte die Kirchen fast fünf Jahrhunderte lang getrennt. (www.zeit.de vom 15. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, sagte im Gespräch mit Radio Vatikan, dass die Kirche in Syrien alles dafür tun werde, um Frieden und Versöhnung zu fördern. Für die Christen in Syrien hat 2020 mit einer Friedensmesse begonnen. Die Kirche sei überall präsent, auch dort, wo die Sunniten bewusst alles zerstört hätten. „In Aleppo haben die Menschen die wahre Haltung der Kirche entdeckt und zwar jene der Nächstenliebe. Es geht um die Hilfe für die Armen, es geht um den Respekt gegenüber Menschen. Das ist der Dialog des Lebens. Das ist das Schöne hier, trotz des Krieges. Die Christen haben diese Berufung und zwar mit einer Dynamik der Einheit. […] Wir müssen diese Dynamik der Einheit schaffen, was viel Kraft, spiritueller Glaube und Hoffnung bedarf.“ (vn v. 3. 1.)

     

  • Der Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Münster, Clemens Leonhard, plädiert für einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare: In den derzeitigen Vorschriften für eine Trauung wird z. B. für ältere Leute der Hinweis auf Kinder weggelassen. Sonderregelungen im Segensgebet gibt es ebenso bei Trauungen mit Christen anderer Konfessionen oder Religionen oder sogar für Atheisten. Warum also nicht auch für Homosexuelle, wenn es nur eine Segnung ist, fragt Leonhard. Es geht ja in den Trauungstexten „um das Glück der konkreten Menschen“ und er zitiert: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander verzeihen, einander ertragen, wird deine Treue sichtbar.“ Diesen Satz könnte man doch auf „zwei Frauen oder zwei Männern“ umschreiben. Dem Wunsch der Homosexuellen nach einer Segnung gehört „nicht aus Großzügigkeit, sondern aus Gerechtigkeit“ entsprochen. (Die Furche v. 2. 1.)

     

  • Beim Angelus-Gebet zum Hochfest Epiphanie (6. Jänner) hat Papst Franziskus den Gläubigen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen gratuliert. „Für sie und ihre Gemeinden wünschen wir das Licht und den Frieden von Christus, dem Retter“, sagte er beim Mittagsgebet vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er lud die Anwesenden zu einem Applaus für die ostkirchlichen Getauften ein, die ihr Weihnachtsfest am 7. Januar feiern.  (vn v. 6. 1.)

     

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